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In- und Ausland

China sucht Neuanfang mit Japan

International

Donnerstag, 25. Oktober 2018 - 07:31 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Peking. Jahrelang war das Verhältnis zwischen China und Japan frostig. Unter dem Druck des Handelskrieges durch US-Präsident Trump sucht Peking jetzt die Annäherung - für Japans Premier Abe eine Gratwanderung.

Shinzo Abe, Ministerpräsident von Japan. Foto: Yohei Kanasashi, AP

China sucht beim ersten bilateralen Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Peking einen Neuanfang im schwierigen Verhältnis zu seinem wichtigen Nachbarn.

Als Partner sollten beide Länder „einen neuen Entwurf für das künftige Wachstum unserer bilateralen Beziehungen zeichnen“, sagte die Sprecherin des Pekinger Außenministeriums, Hua Chunying.

Das Verhältnis war unter anderem wegen des rechtskonservativen Kurses von Abe und Japans Vergangenheit als Aggressor im Zweiten Weltkrieg frostig. Schwere Spannungen gab es auch 2012, als sich der Territorialstreit um Inseln im Ostchinesischen Meer verschärfte.

Japans Premier und Chinas Präsident Xi Jinping haben sich zwar wiederholt am Rande internationaler Gipfel gesehen, doch war Abe seit seinem Amtsantritt 2012 noch nie zu einem bilateralen Besuch in Peking.

Als Zeichen für die Annäherung hießen Chinas Staatsmedien den Premier am Donnerstag mit wohlwollenden Kommentaren willkommen. „Es ist ein Meilenstein, der signalisiert, dass die Beziehungen zwischen China und Japan auf den richtigen Weg zurückkehren“, schrieb die englischsprachige Zeitung „Global Times“, die das kommunistische Parteiorgan „Volkszeitung“ herausgibt und und früher häufig scharfe Kritik an Japan geäußert hat.

Zum Auftakt kommt Abe mit Chinas Ministerpräsident Li Keqiang zusammen. Beide Seiten feiern den 40. Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschaftsabkommens, das 1978 die Beziehungen nach der alten Kriegsfeindschaft normalisierte. Höhepunkt des Besuches ist am Freitag der Empfang durch Chinas Staats- und Parteichef Xi.

Als zweit- und drittgrößte Volkswirtschaften der Welt wollen China und Japan auch die Wirtschaftskooperation ausweiten. Ihr Handelsvolumen erreichte 2017 mehr als 300 Milliarden US-Dollar. Beobachter spekulierten, dass China auch wegen seines Handelskrieges mit den USA und der zunehmend konfrontativeren China-Politik von US-Präsident Donald Trump engere Beziehungen zu Japan sucht.

Angesichts der jahrelangen Spannungen ist die Tatsache, dass Abe jetzt nach Peking reist, an sich schon von Bedeutung und ein Zeichen für die Annäherung. Wobei China dabei nach Ansicht japanischer Beobachter schon wegen des Handelskonflikts mit den USA das größere Interesse haben dürfte. Peking könnte auch versuchen, einen Keil zwischen Tokio und seinem wichtigsten Verbündeten USA zu treiben.

Bei dem Besuch von Chinas Premier im Mai in Tokio hatten sich beide auf eine Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten in Drittländern verständigt. Dafür will Japan laut japanischen Medienberichten seine jahrzehntelang gezahlte Entwicklungshilfe an China aussetzen. Es hieß, Peking könnte versuchen, den Eindruck zu wecken, dass die gemeinsamen Projekte in Drittländern ein Beleg dafür seien, dass sich Tokio an der umstrittenen „Seidenstraßen“-Initiative beteiligt.

Für Abe ist das eine schwierige Gratwanderung. Zum einen erhofft sich Japans Wirtschaft von einer Kooperation Chancen für heimische Firmen. Zum anderen muss Abe Rücksicht auf seine konservativen Unterstützer nehmen, unter denen es viele China-Gegner gibt. Eine japanische Beteiligung an dem geostrategischen „Seidenstraßen“-Vorhaben Chinas könnte auch die Schutzmacht USA irritieren. Mit der „Neuen Seidenstraße“, einem gewaltigen Infrastrukturprojekt, dessen Bau Peking vor fünf Jahren begonnen hatte, sollen neue Wirtschaftskorridore von China nach Südostasien, Europa und Afrika entstehen.

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