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In- und Ausland

Coronavirus-Unsicherheit bei Tui

Gesundheit

Dienstag, 10. März 2020 - 13:29 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Hannover. Die Coronakrise trifft den größten Tourismuskonzern unmittelbar. Tui musste bereits ein Schiff aus Asien zurückholen. Wie die nächsten Wochen und Monate für Urlauber und Mitarbeiter werden, ist schwer abzuschätzen. Schwarzmalen kommt für den Chef aber nicht infrage.

Der Coronavirus sorgt für Unsicherheit beim Touristikkonzern Tui. Foto: Holger Hollemann/dpa

Tui-Chef Fritz Joussen richtet die Kunden und Mitarbeiter des weltgrößten Touristikkonzerns auf möglicherweise länger anhaltende Folgen der Coronakrise ein.

„Wir waren sehr stark gestartet ins Jahr. Dieser Vorsprung schmilzt im Augenblick ab“, sagte der Manager am Dienstag am Rande einer Betriebsräte-Konferenz in Hannover. Derzeit sei die Zurückhaltung sehr hoch. „Und das wird sicherlich auch noch einige Wochen so bleiben.“ Nach dem Plus von 14 Prozent bei den Sommerbuchungen und der Erwartung eines „Boom-Jahres“ nach der Insolvenz des Rivalen Thomas Cook sehe man die Lage heute mit gemischten Gefühlen: „Wie das Jahr wird, wissen wir nicht.“

Der Vorstandschef betonte, man müsse einzelne Geschäftsbereiche unterscheiden. „Es sind Zweige besonders betroffen, wo kurzfristige Entscheidungen getroffen werden. Insofern sind wir weniger betroffen als Fluggesellschaften, die im Linienflug sind.“ Etliche Kunden würden wohl an mittelfristig orientierten Urlaubsplänen festhalten. Der Konzern könne Rückgänge im Asien-Geschäft derzeit zudem etwa durch Ziele in der Karibik oder im Mittelmeerraum abfedern.

Ein besonderes Augenmerk liege auf der „besonders sensiblen“ Kreuzfahrtsparte, sagte Joussen. Andererseits seien die Buchungszyklen auch hier relativ lang. Man habe gerade ein Schiff aus Fernost zurückgeholt, „weil gewisse Häfen für deutsche Kunden das nicht akzeptieren wollten“. Aber dies sei bisher ein Einzelfall.

Die Coronakrise zwinge „selbstverständlich“ zu Sparmaßnahmen. „In so einer Krise ist es wichtig, das Geld zusammenzuhalten“, erklärte Joussen. „Es ist schon so, dass wir Investitionen, die wir geplant hatten, zurückstellen. Es ist schon so, dass wir versuchen, wo immer Flexibilität im System ist, die Kapazität etwas herunterzunehmen.“ In Bereichen mit hohen Fixkosten wie den Flugzeugen von Tuifly gebe es Unsicherheit: „Wenn die leer sind, ist das Risiko schon sehr groß.“

Allgemein werde Tui das aber gut verkraften, schätzt Joussen. „Wir sind nicht unerfahren im Management von Krisen“, meinte er mit Blick auf die Weltwirtschaftskrise 2009, Flugbeschränkungen durch Vulkan-Aschewolken oder die frühere Ausbreitung des Sars-Virus. Die Mitarbeiter spüren aber den Einfluss. „Der Druck ist natürlich da.“

Die bisher diskutierten Staatshilfen gegen die Coronakrise sieht Joussen als wichtige Übergangslösung. Flexible Möglichkeiten halte er „für sehr wichtig“. Bei schwerwiegenden Eingriffen wegen Gesundheitsrisiken müssten Behörden und Politik die Belange der Wirtschaft aber im Auge behalten. „Wenn Sie Messen absagen, wenn Sie Häfen zumachen, wenn Sie gewisse Gebiete unter Quarantäne stellen, ist es wichtig, dass man das verhältnismäßig macht.“

Schwierig bleibt für Tui auch das Flugverbot für den Unglücksflieger Boeing 737 Max. Man sei mit dem US-Hersteller in Kontakt. „Wir gucken, wann die Zulassung wieder läuft“, sagte Joussen. „Es sieht so aus, dass sie irgendwann kommen wird dieses Jahr.“ Verglichen mit den Herausforderungen durch das neue Coronavirus sei der Verzicht auf die Flugzeuge derzeit aber nachrangig: „Dass wir jetzt ein paar weniger Boeing-Maschinen haben, ist möglicherweise das kleine Problem.“

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