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In- und Ausland

Deutsche-Bank-Chef sieht Notenbanken in der Sackgasse

Banken

Mittwoch, 4. September 2019 - 13:57 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Frankfurt/Main. Nullzinsen, Strafzinsen, Anleihenkäufe - Europas Währungshüter haben alle Register gezogen. Für Banken kein leichtes Umfeld. Dass die EZB womöglich noch einmal nachlegt, stößt in der Branche auf Kritik.

Christian Sewing sprach bei einer Bankentagung in Frankfurt. Foto: Boris Roessler

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sieht die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende.

„Die Zentralbanken haben kaum noch Mittel, um eine echte Wirtschaftskrise wirkungsvoll abzudämpfen“, sagte Sewing bei einer Bankentagung in Frankfurt. „Sie haben bereits jetzt den Geldhahn bis zum Anschlag aufgedreht - allen voran die Europäische Zentralbank.“

Angesichts immer düsterer Aussichten für die Konjunktur hat die Europäische Zentralbank (EZB) Handlungsbereitschaft signalisiert. Im Raum stehen neue Anleihenkäufe sowie eine Verschärfung des Strafzinses für Bankeinlagen.

Derzeit verlangt die EZB von Geschäftsbanken 0,4 Prozent Zinsen für geparkte Gelder. EZB-Präsident Mario Draghi hatte angedeutet, dass dieser negative Einlagensatz weiter ins Minus gesenkt werden könnte - möglicherweise schon bei der nächsten EZB-Sitzung am 12. September. Der Strafzins soll Banken dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln.

„Gesamtwirtschaftlich wird eine weitere Zinssenkung auf dem aktuellen Niveau verpuffen. Sie wird lediglich die Vermögenspreise weiter in die Höhe treiben und die Sparer weiter belasten“, sagte Sewing. Schon jetzt belaste die EZB-Zinspolitik die Branche enorm. „Allein uns als Deutsche Bank kosten die negativen Einlagenzinsen einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in diesem Jahr. Auf vier Jahre hochgerechnet sind das deutlich mehr als zwei Milliarden Euro“, rechnete Sewing vor. „Langfristig ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem.“

Der Chef der Schweizer Großbank UBS, Sergio Ermotti, warnte, die langfristigen Folgen der Niedrigzinspolitik könne niemand seriös vorhersagen. Für Banken sei diese Geldpolitik nicht gut, aber auch die Folgen für die gesamte Gesellschaft seien nicht zu unterschätzen.

Auch eine Staffelung des Strafzinses, über die die Währungshüter diskutieren, würde nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Chefs am Grundproblem nichts ändern. Sewings Fazit: „Auf eine ernsthafte Wirtschaftskrise ist die Welt nicht gut vorbereitet - und Europa schon gar nicht.“

Deutschland müsse zudem im eigenen Land mehr investieren, um die Grundlagen für künftiges Wachstum zu legen, mahnte Sewing. „Seit Jahren werden wir dafür kritisiert, dass wir als Land zu wenig investieren - und diese Kritik ist berechtigt.“ Es gehe „nicht um ein klassisches Konjunkturprogramm“, es gehe um Technologie, bessere Forschungszentren, bessere Bildung, bessere Datennetze.

Für eine Neuordnung der Bankenbranche in Europa zeigte sich Sewing grundsätzlich offen. „Wir brauchen in Europa den Mut zur Konsolidierung. Wir brauchen auch größere Banken. Aber die Voraussetzungen müssen passen.“ Noch hemmten zum Beispiel unterschiedliche Insolvenzordnungen in den einzelnen europäischen Ländern grenzübergreifende Zusammenschlüsse.

Im Frühjahr hatten Deutsche Bank und Commerzbank die Möglichkeit einer Fusion ausgelotet. Die beiden Institute sahen jedoch letztlich keinen Sinn in einem Zusammenschluss. Die Deutsche Bank brachte danach einen radikalen Konzernumbau inklusive der Streichung Tausender Stellen auf den Weg, der Commerzbank-Vorstand will sich im Herbst zum künftigen Kurs des MDax-Konzerns äußern.

Commerzbank-Chef Martin Zielke zeigte sich ebenfalls offen für neue Fusionsanläufe: „Ich würde gerne, wenn es möglich wäre, in unserem zersplitterten Markt Konsolidierung vorantreiben. Ich würde gerne eine Sparkasse kaufen.“

UBS-Chef Ermotti hält Zusammenschlüsse unter Europas Banken für „unausweichlich“: „Konsolidierung ist der einzige Weg, wie das Bankensystem aus seinen Problemen herauskommen kann.“ Ermotti betonte: „Größe ist entscheidend.“ Das Problem sei nicht, dass Banken so groß würden, dass der Steuerzahler sie im Krisenfall zwingend retten müsse. Das Problem sei eher, dass Institute zu klein seien, um überleben zu können.

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