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Die Preis-Frage: Debatte über Kosten besserer Lebensmittel

Agrar

Donnerstag, 20. Januar 2022 - 16:46 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Gesundes Essen und zufriedenere Tiere - dafür sprechen sich Supermarktkunden, Lebensmittelbranche und Bauern aus. Doch darüber, wie das gehen könnte, wird schon lange diskutiert.

Auf weiter Flur - grasende Kühe im Schwarzwald. Foto: Silas Stein/dpa

Bezahlbare Preise im Supermarkt, mehr Artenvielfalt und Tierwohl in der Landwirtschaft: Wie sich beides unter einen Hut bringen lässt, steht zur Diskussion.

Mehrere Agrar-Organisationen warnen davor, die Bedürfnisse einkommensschwacher Haushalte gegen die der Landwirte auszuspielen. Die Ernährungsindustrie warnte, es dürfe nicht „Sozial-Veganer“ geben - Menschen, für die tierische Produkte zu teuer sind. Und der Bauernverband schilderte die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Betriebe.

Forderungen an die Bundesregierung

Mit der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin fällt der traditionelle Jahresauftakt der Branche wegen der Corona-Krise in diesem Januar zwar aus. Ihre Vertreter nutzen den Termin dennoch, um die Lage zu beschreiben und Forderungen an die neue Bundesregierung zu stellen.

Dazu wurde auch der neue Ernährungs- und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir zu ersten Gesprächen erwartet. Der Grünen-Politiker macht sich unter anderem gegen „Ramschpreise“ für Lebensmittel stark. Aus seiner Sicht müssen auch die Preise für Agrarprodukte steigen. Özdemir und Umweltministerin Steffi Lemke (ebenfalls Grüne) hatten in dieser Woche angekündigt, das Thema nachhaltige Landwirtschaft ressortübergreifend stärker voranbringen zu wollen.

Die Transformation der Branche müsse zu bezahlbaren Preisen für Supermarktkunden geschehen, forderte Christoph Minhoff, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Stimmung bei Bauern gedrückt

Die Landwirte in Deutschland seien sehr verunsichert und relativ pessimistisch, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Künftige Anforderungen an Viehhaltung und Ackerbau seien nicht klar. „Wir brauchen ein klares Signal, wohin die Reise geht.“ Allein der Umbau der Tierhaltung koste mehrere Milliarden Euro im Jahr. Jetzt müsse der Finanztopf dafür gebildet werden, forderte Rukwied.

Denn den klimagerechten Umbau der Landwirtschaft werden vor allem kleinere Bauernhöfe nicht schultern können, wie erst die Beratungsfirma EY und die Universität Göttingen mit einer Studie erläutert haben. Viele könnten und wollten die Investitionen nicht mehr aufbringen.

Die wirtschaftliche Lage der Betriebe sei angespannt, bei den Schweinehaltern desaströs, sagte Rukwied. Die Bauern seien zu mehr Tierwohl in den Ställen und mehr Artenvielfalt auf den Äckern bereit. Das müsse sich für die Betriebe aber auch rechnen.

„Landwirte sind Unternehmer, die unsere Ernährung sichern und maßgeblich zur Erreichung der Klimaziele beitragen können“, sagte FDP-Fraktionsvizechefin Carina Konrad der Deutschen Presse-Agentur. „Dazu brauchen sie wirtschaftliche Stabilität und Unabhängigkeit bei betrieblichen Entscheidungen.“ Ermöglicht werden müsse der Einsatz neuer Technologien und moderner Pflanzenschutzmittel. Nötig seien auch Planungssicherheit und Erleichterungen beim Stallumbau und der Genehmigung neuer „Tierwohlställe“.

„Die soziale Frage kann nicht allein durch den Markt und auch nicht an der Kasse gelöst werden“, sagte Tina Andres, Vorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft, bei der Vorlage des „Kritischen Agrarberichts“ des Agrarbündnisses. „Die in der landwirtschaftlichen Produktion entstehenden Schäden an Mensch und Natur sind aktuell nicht im Lebensmittelpreis enthalten“, heißt es darin.

„Wenn wir Preise erhöhen müssen, dann muss die Sozialpolitik auch entsprechend reagieren, was die Hilfssätze betrifft für bedürftige Personen“, betonte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Gesunkener Umsatz

Trotz gestiegener Nahrungsmittelpreise sank im vergangenen Jahr wohl der Umsatz der Ernährungsindustrie. Die Bundesvereinigung schätzt, dass er sich auf 182,4 Milliarden Euro belief, was einem Minus von 1,6 Prozent entspräche. „Natürlich hat es Folgen, wenn Restaurants und Kantinen geschlossen sind“, sagte Minhoff. Zudem ließen sich gestiegene Produktionskosten nur schwer mit höheren Preisen beim Kunden durchsetzen.

© dpa-infocom, dpa:220120-99-786991/3

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