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EU will Flüchtlings-Kooperation mit Kairo

EU

Donnerstag, 20. September 2018 - 07:21 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Salzburg. Kann Ägypten zur Lösung des Migrations-Dauerstreit in der EU beitragen? Gespräche darüber werden zumindest geführt. Die EU setzt einige Hoffnung auf die autoritäre Regierung in Kairo.

Beratungen beim EU-Gipfel in Salzburg. Foto: Georg Hochmuth/APA

Ägypten ist zu Beratungen mit der EU über eine „vertiefte Zusammenarbeit“ bei den Themen Migration und Wirtschaft bereit.

Dies sagte ein EU-Diplomat am frühen Donnerstagmorgen nach fünfstündigen Beratungen beim EU-Gipfel in Salzburg. Es gebe Unterstützung dafür im Kreis der 28 EU-Länder. Ungeachtet dessen zeigte sich EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker unzufrieden mit den Beratungen.

Ende Juni hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Kollegen unter anderem beschlossen, dass Sammelzentren für aus Seenot gerettete Migranten in nordafrikanischen Staaten geprüft werden sollten. Bisher hat sich jedoch kein afrikanisches Land bereit erklärt, ein solches Zentrum einzurichten.

Auch nach den Gesprächen am Mittwoch konnte Juncker kaum Fortschritte beim ewigen Streitthema vermelden, ob und wie im Mittelmeer gerettete Migranten in der EU aufgenommen und verteilt werden sollen. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur, in dieser Frage habe es nicht genügend Kompromissbereitschaft der 28 EU-Staaten gegeben. Am Donnerstag solle weiter darüber beraten werden.

Zuvor hatte Juncker einen Kurswechsel im Dauerstreit um die Flüchtlingspolitik angedeutet. Vor Beginn des EU-Gipfels rückte er von der Haltung ab, dass alle Mitgliedstaaten zumindest einige Menschen aufnehmen müssten. Stattdessen forderte er von Ländern, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, andere Beiträge zur Migrationspolitik: „Die einen nehmen Flüchtlinge auf. Die, die das nicht wollen, nicht können - obwohl sie es müssen -, die müssen sich in Sachen Solidarität bewegen.“ Damit kommt er den östlichen EU-Staaten entgegen, die seit Jahren „flexible Solidarität“ fordern - also etwa finanzielle Beiträge statt der Aufnahme von Flüchtlingen.

Annäherungen mit Ägypten hatten sich zuletzt angedeutet. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, dessen Land derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, und EU-Ratspräsident Donald Tusk hatten den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi am Wochenende in Kairo besucht. Kurz sprach am Mittwoch von guten Gesprächen mit der ägyptischen Seite. Die Beratungen mit der Regierung in Kairo über eine vertiefte Zusammenarbeit stünden allerdings noch ganz am Anfang, hieß es am Donnerstag einschränkend aus den EU-Kreisen.

Die 28 EU-Staaten unterstützten beim EU-Gipfel auch Tusks Vorschlag eines gemeinsamen Sondergipfels mit der Arabischen Liga im Februar kommenden Jahres in Ägypten. Auch mit anderen Staaten in Nordafrika solle die Zusammenarbeit vertieft werden, hieß es aus EU-Kreisen.

Unverändert festgefahren sind die Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens. Hier beharren sowohl Großbritannien als auch die EU auf der Forderung, die jeweils andere Seite müsse sich bewegen. Nur bei der Streitfrage, wie eine harte Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und Nordirland vermieden werden kann, hatte die EU zuletzt Nachbesserungen angekündigt.

Kanzlerin Merkel warb für einen Brexit „in guter Atmosphäre“ und in „großem Respekt vor einander“. In einigen Punkten sei eine gute Zusammenarbeit möglich, etwa bei der inneren und äußeren Sicherheit. Ähnlich hatte sich zuvor auch Tusk geäußert. Allerdings stellte er auch klar, dass die britischen Vorschläge für eine künftige Wirtschafts- und Zollpartnerschaft mit der EU nicht akzeptabel seien. Diese müssten überarbeitet werden, forderte Tusk. Darauf gab die britische Premierministerin Theresa May sofort Kontra.

Am Donnerstag wollen die 27 verbleibenden EU-Staaten über den weiteren Brexit-Zeitplan beraten. Tusk will ihnen dann vorschlagen, einen Brexit-Sondergipfel Mitte November einzuberufen. Damit hätten die Unterhändler rund vier Wochen länger für die Verhandlungen Zeit, um einen ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU zu vermeiden.

Ansturm auf Europa: Flüchtlinge auf dem Grenzzaun der spanischen Exklave Ceuta, die auf marokkanischem Gebiet liegt. Foto: Antonio Sempere/EFE/Archiv

Migranten an Deck des italienischen Küstenwachschiffs „Diciotti“. Foto: Salvatore Cavalli/AP

Alles ist recht, um nach Europa zu gelangen: An der Grenze zur spanischen Exklave Ceuta fanden Sicherheitsbeamte Anfang 2017 einen 19-Jährigen aus Gabun in Zentralafrika. Foto: Spanish Interior Ministry

Und jetzt? Afrikanische Flüchtlinge hocken auf dem Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta. Foto: Francisco G. Guerrero/EFE

Migranten im Hafen von Piräus: Viele von ihnen reisten über die Balkanroute weiter bis nach Deutschland. Foto: Angelos Tzortzinis

Flüchtlinge überqueren im November 2015 die Grenze von Österreich nach Deutschland. Foto: Sebastian Kahnert

Nach der Flucht: Migranten kommen in Athen an. Wer über Griechenland nach Deutschland eingereist ist, muss zurück. Foto: Angelos Tzortzinis

Sie haben es geschafft: Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla. Foto: Noelia Ramos/EFE

In einer solchen Transitzone soll Ungarn einzelnen Asylbewerbern zeitweise die Nahrung verweigert haben. Foto: Gregor Mayer


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