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Existenzbedrohung Corona: Tui bilanziert Geschäftsjahr

Tourismus

Donnerstag, 10. Dezember 2020 - 04:21 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Hannover. 2020 geht als „Katastrophenjahr“ in die Geschichte des Tourismus ein. Auch für Tui markierte die Corona-Krise ein tiefes Tal, nun zieht der größte Reiseanbieter der Welt die Bilanz seiner Geschäftsentwicklung. Retten die staatlichen Milliardenhilfen den Konzern durch den Winter?

Das Geschäftsjahr 2019/2020 war für Tui geprägt von den Folgen der Corona-Pandemie. Foto: Holger Hollemann/dpa

Der Tui-Konzern blickt auf das verheerende Corona-Jahr im Tourismus zurück. Vorstandschef Fritz Joussen dürfte zudem einen Ausblick auf die kommenden Monate geben und einen Zwischenstand zur schwierigen Wintersaison nennen.

Das Geschäftsjahr 2019/2020 (bis Ende September) war für den weltgrößten Reiseanbieter aus Hannover - wie für so gut wie alle Unternehmen der Branche - geprägt von den Folgen der Pandemie. Nachdem während der ersten Welle im Frühjahr das Programm fast komplett ausgesetzt worden war, lief das Geschäft über den Sommer zögerlich an. Im Herbst wuchs die Unsicherheit aufgrund neuer Reisewarnungen für viele Länder aber wieder. Staats- und Kapitalhilfen sollen die Tui-Gruppe vor dem finanziellen Kollaps bewahren - ähnlich wie bei der Lufthansa oder beim Wettbewerber FTI.

Im dritten Geschäftsquartal hatte die Viruskrise Tui tief in die roten Zahlen gerissen. Von April bis Juni lag der Verlust unterm Strich bei rund 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 98,5 Prozent, so dass das Geld für die Deckung der Betriebskosten nicht ausreichte.

Für einige Ferienziele zogen die Buchungen im Sommer wieder an, so stießen die Balearen oder die griechischen Inseln bei Urlaubern auf Interesse. Insgesamt war in Unternehmenskreisen zuletzt jedoch von einem eindeutigen „Katastrophenjahr“ die Rede, das in der bisherigen Branchengeschichte seinesgleichen suche. Im Geschäftsjahr 2018/2019 hatte Tui noch 416,2 Millionen Euro an Nettogewinn verbucht - dieser war schon durch Flugverbote für die Boeing 737 Max geschmälert.

Um die Krise zu überstehen, hatte sich Tui bis Ende September bereits Staatshilfen über drei Milliarden Euro gesichert. Kürzlich einigten sich die Eigentümer mit dem Bund sowie privaten Investoren und Banken auf ein ergänzendes Finanzierungspaket von 1,8 Milliarden Euro. Vor allem der Bund ist beteiligt - in letzter Konsequenz könnte er über stille Einlagen, die teils in Firmenanteile gewandelt werden, künftig direkt am Konzern beteiligt sein. Nötig dafür ist noch die Zustimmung der EU-Kommission. An den Hilfen gibt es vor allem aus Gewerkschaften auch heftige Kritik, weil Tui gleichzeitig Tausende Jobs streicht. Viele Politiker lehnen einen möglichen Staatseinstieg ebenfalls ab.

Nach dem Sommer hatte der Konzern das laufende Winterprogramm um rund ein Fünftel zusammengestrichen, die ursprünglichen Kapazitäten wurden so zu deutlich weniger als der Hälfte aktiviert. Tui sprach zunächst von einem Winter-Buchungsstand, der um 59 Prozent unter dem Vorjahr liegt. Die Preise stiegen leicht. Für den Sommer 2021 zeigte sich das Unternehmen zuversichtlicher. Das Marktumfeld sei aber bis auf weiteres unbeständig, erklärte Joussen im Frühherbst. „Und dies wird voraussichtlich auch noch in den kommenden Quartalen so bleiben.“

Das Kreuzfahrtgeschäft fuhr Tui inzwischen langsam und schrittweise wieder hoch. Bei der konzerneigenen Airline Tuifly, wo Flotte und Arbeitsplätze spürbar gekürzt werden sollen, war die 2021 benötigte Auslastung zuletzt noch nicht genauer absehbar. Viele Urlauber buchten ihre Reisen schon um. Verbraucherschützer kritisierten allerdings auch bei Tui, dass bei gewünschter Absage und Rückerstattung des Reisepreises nicht immer ausreichende Transparenz über die Möglichkeiten vorliege.

© dpa-infocom, dpa:201210-99-636045/2

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