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In- und Ausland

Experten: Kirchen werden weiter schrumpfen

Kirche

Freitag, 20. Juli 2018 - 08:41 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Bonn/Hannover. Jedes Jahr verlieren die beiden großen Kirchen Mitglieder. Daran könnten diese selbst wenig ändern, sagen Experten. Allerdings: Auch wenn Jüngeren die religiösen Rituale zumeist fremd seien - Sympathie für die Kirche gebe es durchaus.

Türme des Wormser Doms: Die Mitgliederzahlen von katholischer und evangelischer Kirche gehen schon seit langem zurück. Foto: Andreas Arnold

Ein Anstieg der Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen käme nach Einschätzung des Religionssoziologen Detlef Pollack „einem Wunder gleich“.

Die Mitglieder seien überaltert, und die Jugend werde „so wenig im Glauben erzogen, wie das in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nie der Fall war“, sagte der Experte von der Universität Münster der Deutschen Presse-Agentur.

Die katholische und die evangelische Kirche veröffentlichen an diesem Freitag ihre Mitgliederzahlen für 2017. Schon seit langem gehen die Zahlen zurück. 2016 war die Zahl der Katholiken und Protestanten in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um etwas mehr als eine halbe Million auf 45,5 Millionen gesunken.

Der Publizist Andreas Püttmann („Gesellschaft ohne Gott“) sagte der dpa, der Mitgliederrückgang sei nicht so sehr demografisch bedingt, sondern lasse sich vor allem darauf zurückführen, dass die Weitergabe des Glaubens nicht mehr richtig funktioniere. „Wir sehen deshalb jetzt erdrutschartige Abbrüche in der jungen Generation.“

Das liegt aus der Sicht von Religionssoziologen kaum an einem falschen kirchlichen Angebot, sondern an allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen, an denen die Kirche nichts ändern könne: zunehmender Wohlstand, Individualisierung, Urbanisierung, vielfältige Freizeitmöglichkeiten, Bildungsexpansion, Mobilitätszunahme. „Die Selbstbezeichnung als religiöser Mensch ist seit Jahrzehnten im leichten Sinkflug“, sagte Püttmann. „Nur jeder Dritte erklärt, an religiösen Themen interessiert zu sein.“

Allerdings verläuft der Schwund noch sehr gemäßigt, wenn man bedenkt, dass nur jedes zehnte Kirchenmitglied am Gottesdienst teilnimmt. „Insofern ist nicht erklärungsbedürftig, warum jedes Jahr "wieder so viele" die Kirchen verlassen, sondern, warum es so wenige sind“, sagte Püttmann. „Der Aderlass der Volksparteien und vieler Vereine war größer.“

Die Erklärung dafür sei, dass der christliche Beitrag für eine humane, menschenwürdige Gesellschaft noch immer sehr geschätzt werde. „Die Furcht vor einer Gesellschaft ohne Gott ist auch bei kirchlich Randständigen und Agnostikern verbreitet“, sagte Püttmann. „Deshalb scheuen auch viele Zweifler eine Totaldistanzierung von der Kirche.“ Genauso sieht es Pollack: „Die Kirche ist in unserer Kultur und Geschichte und auch in den Familien tief verankert. Die Menschen spüren, dass sie etwas Gutes und Sinnvolles aufgeben, wenn sie die Kirche verlassen.“

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