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In- und Ausland

Gewalt ohne Ende in Mexiko - Sechs Polizisten erschossen

Kriminalität

Samstag, 2. Juni 2018 - 14:01 Uhr

von Von Amelie Richter, Carmen Peña und Katja Räther,

dpa Salamanca. Eine Routinekontrolle am helllichten Tag wird für Polizisten in Mexiko zur Todesfalle. Sie sind die jüngsten Opfer einer Gewaltwelle, die das Land seit Jahren überschwemmt.

Trauergäste nehmen Abschied am Grab des getöteten Journalisten Héctor González Antonio. Foto: Marco Ugarte/AP

Ein halbes Dutzend weitere Morde in einer schier endlosen Kette brutaler Gewalt: Bei einer Verkehrskontrolle sind in Mexiko sechs unbewaffnete Polizisten von Unbekannten erschossen worden.

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Nach Angaben lokaler Medien starben fünf Beamte noch vor Ort, einer später im Krankenhaus. Sie seien aus zwei Autos heraus in der Stadt Salamanca angegriffen worden, berichtete die Zeitung „El Proceso“.

Der Gouverneur des Bundesstaats Guanajuato, Miguel Márquez Márquez, sprach auf Twitter den Familien der toten Polizisten sein Mitgefühl aus. „Es wird Gerechtigkeit geben“, so Márquez. Er stehe mit der Staatsanwaltschaft und den Strafverfolgungsbehörden des Staates im Kontakt, um die Umstände der Tat aufzuklären. 

Das lateinamerikanische Land leidet unter einer beispiellosen Gewaltwelle, die auch Politiker und Journalisten massiv trifft. Mit über 26 000 Morden war das vergangene Jahr das blutigste in der jüngeren Geschichte. In Guanajuato wurden so viele Todesopfer durch Schusswaffen gezählt wie in keinem anderen Bundesstaat Mexikos. Hier wurden 2017 nach offiziellen Angaben 1435 mutmaßliche Tötungsdelikte registriert, ein Anstieg von etwa 30 Prozent im Vergleich zu 2016.

Als ein Grund für die eskalierende Gewalt in Mexiko werden interne Verteilungskämpfe zwischen Verbrechersyndikaten genannt. Festnahmen und Tötungen von mächtigen Kartellbossen hatten Machtkämpfe um die Nachfolge ausgelöst. Zudem konkurrieren zunehmend kleinere Banden um Geschäftsanteile und Einfluss bei Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Benzindiebstahl. Der Generalstaatsanwalt von Guanajuato, Carlos Zamarripa Aguirre, führt 85 Prozent der Tötungsdelikte in seinem Staat auf Rivalitäten krimineller Banden zurück.

Erst am Dienstag war die Leiche des Journalisten Héctor González Antonio von der überregionalen Tageszeitung „Excélsior“ in Ciudad Victoria im Bundesstaat Tamaulipas entdeckt worden - offenbar wurde der Mann erschlagen. Es war der sechste Mord an einem Medienvertreter in diesem Jahr in Mexiko. In der Woche davor war eine Wirtschaftsjournalistin in ihrem Haus in Monterrey umgebracht worden.

Mexiko ist weltweit eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. 2017 wurden dort nach Angaben der Internationalen Journalisten-Föderation 13 Reporter und Medienschaffende getötet - so viele wie nirgendwo sonst. Nicht immer haben die Gewalttaten direkt mit der Arbeit der Journalisten zu tun - oft steckt hinter den Angriffen allerdings das organisierte Verbrechen.

Auch die anstehenden Wahlen werden von der Gewalt überschattet. Zwischen September und Mai wurden nach Angaben der mexikanischen Organisation Etellekt, die diese Fälle aufzeichnet, 93 Attentate auf Politiker verübt. Die meisten der Getöteten waren Lokalpolitiker.

Hinter vielen Fällen wird das organisierte Verbrechen vermutet, das die Wahlen im jeweils eigenen Sinne beeinflussen will. In Mexiko wird am 1. Juli ein neuer Präsident gewählt, zudem müssen Gouverneure, Bürgermeister und kommunale Abgeordnete im ganzen Land neu gewählt werden.

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