Handel: Umsätze im Weihnachtsgeschäft schrumpfen deutlich

dpa Berlin. Der Lockdown in Deutschland ist wirtschaftlich ein heftiger Schlag für den Einzelhandel, der einen Teil des wichtigen Weihnachtsgeschäftes in Gefahr sieht. Die Branche fürchtet viele Insolvenzen.

Handel: Umsätze im Weihnachtsgeschäft schrumpfen deutlich

Einkaufen mit Hindernissen: Vor einem Bekleidungsgeschäft in der Bremer Innenstadt warten Kunden in einer Schlange. Foto: Michael Bahlo/dpa

Der harte Lockdown mitten im Dezember verdirbt dem Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft.

Nach einer Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden dem Handel wegen der Ladenschließungen im Vergleich zum Vorjahr mehr als sechs Milliarden Euro in den Kassen fehlen. „Die sonst so umsatzstarke Phase zum Jahresende wird für viele Händler zum Fiasko“, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Berlin.

Insgesamt rechnet der Branchenverband in den Monaten November und Dezember nur noch mit Umsätzen von knapp 98 Milliarden Euro, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Zwar werde der Online-Handel seine Umsätze um fast ein Drittel auf knapp 20 Milliarden Euro steigern. Dies könne jedoch die Einbußen im stationären Handel nicht wettmachen, wo die Umsätze um 14 Prozent schrumpften, sagte Genth. Noch Anfang November hatte der Branchenverband für das Weihnachtsgeschäft mit Umsätzen von fast 104 Milliarden Euro gerechnet.

Insgesamt hat das Corona-Jahr 2020 den Handel laut HDE klar in Pandemie-Gewinner und Corona-Verlierer gespalten. Während der Online-Handel und die Lebensmittelketten gute Geschäfte machten, musste der von den Schließungen betroffene Nicht-Lebensmittelhandel laut HDE ein Fünftel seiner Umsätze abgeben. Er verzeichne in diesem Jahr voraussichtlich Umsatzeinbußen in Höhe von 36 Milliarden Euro, sagte Genth. Das könne die Branche ohne staatliche Hilfen nicht überstehen.

„Insbesondere im Modehandel stehen viele Betriebe kurz vor der Insolvenz“, warnte der HDE-Hauptgeschäftsführer. Er forderte deshalb eine Gleichbehandlung des Handels mit der Gastronomie beim Umsatzausgleich für den Dezember und eine bessere Anpassung der Überbrückungshilfen an die Bedürfnisse des Handels. Ansonsten gebe es womöglich für bis zu 50 000 Geschäfte mit 250 000 Beschäftigten keine Perspektive mehr.

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