IAA-Entscheidung für heute erwartet

dpa Berlin/Hamburg/München. Deutschlands große Automesse kann eine halbe Milliarde Euro Umsatz in die Region bringen. Berlin, Hamburg und München hoffen auf den Zuschlag. Und die Autohersteller testen notgedrungen Alternativen zur IAA.

IAA-Entscheidung für heute erwartet

Besucher drängen sich 2017 auf der IAA in Frankfurt am Main. Foto: Uli Deck/dpa

Fast 70 Jahre lang war Frankfurt die Bühne für die Internationalen Automobilausstellung (IAA). Wo die nächste IAA stattfindet, wollen die Vorstände des Branchenverbands VDA heute entscheiden - so erwarten es die drei verbliebenen Bewerber Berlin, Hamburg und München.

Der 19-köpfige Vorstand strebe eine einstimmige Entscheidung an, sagte ein VDA-Sprecher. Ist München damit schon aus dem Rennen? VW-Chef Herbert Diess wolle seine Autos ungern unter dem BMW-Hochhaus, am Sitz seines früheren Arbeitgebers und heutigen Konkurrenten präsentieren, heißt es in Branchenkreisen. BMW hat zwar inzwischen angeboten, das Firmenlogo während der IAA hinter einem neutralen Signet zu verstecken. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagt: „Ich fände München toll. Aber wenn Diess nein sagt? Eine IAA ohne VW kann nicht funktionieren.“

Eigentlich wollten sich die Chefs der Autokonzerne und großen Zulieferer auf dem Genfer Autosalon zusammensetzen und entscheiden - die Genfer Messe ist klein, die Wege sind kurz, das ist ihr großer Vorteil. Aber das Coronavirus machte allen einen Strich durch die Rechnung, die Messe wurde abgesagt, und jetzt präsentieren die Hersteller ihre neuen Modelle am Dienstagmorgen ganz kurzfristig im Internet statt auf dem Messestand.

„Die in den Wind geschossenen Genfer Messekosten bleiben im Gedächtnis“, sagte Dudenhöffer. Er schätzt die Kosten auf 100 Millionen Euro. „Wenn es jetzt jeder über das Internet macht, ist die Frage: Brauch' ich nächstes Jahr Genf, oder spar ich mir die hohen Kosten?“ Die großen Automessen seien nur noch ein Schatten ihrer selbst und müssten sich neu erfinden.

Elmar Kades, Autoexperte der Unternehmensberatung Alix, sagte: „Messen lohnen sich nur, wenn am Schluss ein Verkaufs- oder Marketing-Erfolg steht. Die IAA hat vermutlich im vergangenen Jahr sogar zu Negativ-Werbung geführt. Sie wurde mit CO2- und Klimaprotesten verbunden.“

Andreas Jentzsch, Autoexperte der Unternehmensberatung Boston Consulting (BCG), sagte: „Es reicht nicht mehr, den Messebesuchern nur seine neuen Autos zu präsentieren. Die meisten Modelle kennt man ja schon lange aus dem Internet und wundert sich vielleicht, dass sie noch nicht beim Händler stehen.“ Die Zukunft gehe „in Richtung Event, wie bei der CES in Las Vegas oder der Start-up-Konferenz Bits and Pretzels in München.“

Der VDA will 2021 keine Autoschau, die sich in den Messehallen verschanzt. Er will mit der IAA in die Öffentlichkeit, ein viel breiteres Publikum erreichen.

Branchenexperte Thomas Schiller von der Unternehmensberatung Deloitte sagte: „Die Zukunft könnten Messen sein, die in ein Event eingebunden werden.“ Das Festival of Speed im englischen Goodwood zum Beispiel sei „eine Veranstaltung mit Classic Car Rennen, wo Hersteller auch ihre Fahrzeuge präsentieren. Das zieht an einem einzigen Wochenende 250 000 Besucher an.“ Für eine IAA in Berlin spreche die Nähe zur Politik, für München das Messegelände und viel Platz für Events, wo Besucher Autos mit neuen Technologien ausprobieren könnten.