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Immer mehr Gegenwind für Windkraftpläne der Bundesregierung

Umwelt

Freitag, 15. November 2019 - 15:48 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Ein Kilometer Abstand zwischen Windrädern und Siedlungen - ja oder nein? Darüber, und ob fünf Häuser eine Siedlung sind, ist ein offener Streit ausgebrochen. Peter Altmaier bekommt aus den eigenen Reihen Rückendeckung. Die Umweltminister setzen hingegen ein Zeichen.

Alte und neue Technik: Rauch und Dampf steigen aus einem Braunkohlekraftwerk, im Vordergrund stehen Windräder. Foto: Oliver Berg/dpa

Für die geplante Vergrößerung des Abstands zwischen Windrädern und Wohnhäusern erntet die Bundesregierung immer mehr Kritik. Die kommt nicht mehr nur von der Opposition, Umwelt- und Energieverbänden.

Am Freitag meldeten sich die Umweltminister und -ministerinnen der Länder zur Sache. In Hamburg sprachen sich Ressortchefs sowohl von SPD als auch CDU einstimmig gegen die Pläne der Bundesregierung aus. Und auch innerhalb der großen Koalition ist ein offener Streit darüber ausgebrochen, wie nah neue Windräder künftig an Wohnsiedlungen stehen dürfen.

Mindestens 1000 Meter sollen es sein - darauf hatten sich Bundesregierung und Koalitionsspitzen geeinigt. So solle bei Anwohnern die Akzeptanz für Windräder vergrößert werden. Fünf nebeneinander stehende Häuser sollen als Wohnsiedlung gelten, wie es in dem Gesetzentwurf des zuständigen Wirtschaftsministeriums heißt. Vor allem an der Fünf-Häuser-Regel gibt es Kritik, auch von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Den Bundesländern steht es laut Gesetzentwurf frei, den neuen Mindestabstand umzusetzen oder abzulehnen.

In einem Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatten zehn Bundesländer die Pläne der Bundesregierung abgelehnt. Darin warfen sie Altmaier Planlosigkeit vor, zum vergangenen Windkraft-Gipfel „augenscheinlich ohne ein Konzept für die Branche oder zur Rolle der Windenergie an Land“ gekommen zu sein. Die Länder forderten ein erneutes Treffen zu dem Thema. Altmaier solle dort konkrete Vorschläge unterbreiten, wie Arbeitsplätze auch in strukturschwachen Regionen erhalten werden könnten. Enercon, einer der größten deutschen Hersteller von Windkraftanlagen, hatte angekündigt, 3000 Stellen zu streichen.

Die angedachte Verschärfung des Mindestabstands hatte auch bei Umwelt- und Energieverbänden einen Sturm des Protests ausgelöst. Sie kritisierten, dass die Regel einen weiteren Ausbau der Windkraft in Deutschland verhindere. Ohnehin stocke der Bau von Windkraftanlagen an Land („Onshore-Windanlagen“). Die Branche stecke in der Krise.

Die geplanten „pauschalen Bauverbote für Windkraftanlagen im Abstand von weniger als 1000 Metern schon zu einer Handvoll von Häusern“ führten zu einer „massiven Reduzierung“ des Ausbaupotenzials der Windenergie“, heißt es in dem Schreiben der Grünen, das der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag. Sie forderten Altmaier auf, von der geplanten Neuregelung abzurücken: „Wir appellieren dringend an Sie, die vorgesehenen Abstandsregelungen für Windkraftanlagen vollständig zurückzunehmen.“

Altmaier selbst hatte die Pläne zum Mindestabstand verteidigt. Es gehe um Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Widerstand von Bürgern gegen Windkraftanlagen sei enorm gestiegen, damit müsse sich die Politik auseinandersetzen. Der Ausbau der Windkraft an Land war in diesem Jahr fast zum Erliegen gekommen. Als Hauptgründe gelten lange Genehmigungsverfahren, zu wenige nutzbare Flächen und zahlreiche Klagen von Bürgerinitiativen.

Rückendeckung erhielt Altmaier aus den eigenen Reihen. 17 Abgeordnete der Unionsfraktion im Bundestag wiesen Kritik am geplanten Mindestabstand zurück. Die Regelung sei „angemessen und ausgewogen“, schrieben die zumeist dem Wirtschaftsflügel zugehörigen Abgeordneten.

„Nicht Mindestabstände gefährden die Ziele der Energiewende, sondern die fehlende Akzeptanz der betroffenen Bevölkerung“, hieß es weiter. Die Unterzeichner sind überzeugt, dass „die Energiewende nur dann zum Erfolg wird, wenn die Bürger vor Ort mitgenommen und ihre Interessen hinreichend berücksichtigt werden“. Der Ansatz, „den Windenergieausbau notfalls auch mit der Brechstange durchzusetzen“, sei zum Scheitern verurteilt.

Dagegen schreiben die Länder: „Für die immer wiederholte These, dass bundesweit festgelegte pauschale Abstände die Akzeptanz erhöhen würden, fehlt jeglicher Anhaltspunkt.“ Sie zitieren eine Studie, wonach „78 Prozent derjenigen, die eine Windkraftanlage im direkten Wohnumfeld haben, damit einverstanden“ seien.

Hunderte Einwohner aus Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns protestieren gegen den weiteren Ausbau der Windkraft. Foto: Jens Büttner/zb/dpa

Ziemlich nah beieinander: Windräder und Einfamilienhäuser nahe Nauen in Brandenburg. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Eigenheimbesitzer Stefan Hellert auf seinem Grundstück. In rund 1500 Metern Entfernung dreht sich der Rotor einer Windenergieanlage. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa

Hunderte Einwohner protestieren in Schwerin gegen den weiteren Ausbau der Windkraft. Foto: Jens Büttner/zb/dpa

Windräder drehen sich vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes in Jänschwalde (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Windräder mit einer Höhe von bis zu 200 Metern drehen sich in einem Windpark bei Parchim. Der Widerstand von Anwohnern gegen die riesigen Anlagen wächst. Foto: Jens Büttner/zb/dpa

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