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Iran macht Israel für Angriff auf Atomanlage verantwortlich

Konflikte

Montag, 12. April 2021 - 10:26 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Teheran/Jerusalem. Am Anfang war es nur ein „Zwischenfall“, mittlerweile spricht Teheran von „Terror“: Kurz vor der Fortsetzung der Atomverhandlungen in Wien gab es einen Cyberangriff auf die iranische Atomanlage Natans.

Irans Präsident Hassan Ruhani. Foto: Mary Altaffer/AP/dpa/Archiv

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat den Cyberangriff auf die Atomanlage Natans als Terrorakt bezeichnet und Israel dafür verantwortlich gemacht. In der Anlage im Zentraliran werden unter anderem neue Zentrifugen für die Urananreicherung hergestellt.

„Die Zionisten (Israelis) wollen mit diesen Terroroperationen die nuklearen Errungenschaften des Irans und die Atomverhandlungen (in Wien) sabotieren“, sagte Sarif am Montag im Parlament. Beides werde aber nicht passieren. „Unsere Rache ist, dass wir in beiden Bereichen erfolgreich weitermachen werden“, so der iranische Chefdiplomat laut staatlicher Nachrichtenagentur IRNA.

Israel hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der israelische Generalstabschef Aviv Kochavi sagte am Sonntag nach Medienberichten bei einer Gedenkzeremonie für gefallene Soldaten auf dem Herzlberg in Jerusalem: „Die Aktivitäten der israelischen Armee im Nahen Osten bleiben den Feinden nicht verborgen. Sie beobachten uns, sehen unsere Fähigkeiten, und erwägen ihre Schritte vorsichtig.“

Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als eine ernsthafte Gefahr, denn der Iran verfügt über Raketen mit einer Reichweite bis zu 2000 Kilometern, die jeden Ort Israels treffen könnten. Würden die Raketen mit Atomsprengköpfen ausgerüstet, wäre Israels Existenz ernsthaft bedroht. Teheran betont, keine Atomsprengköpfe zu besitzen und die Raketen nur im Falle eines Vergeltungsschlags einzusetzen.

Nach dem Cyberangriff auf die Atomanlage Natans am Sonntag gab es, wie schon bei einem ähnlichen Angriff am gleichen Ort im letzten Sommer, zunächst unterschiedliche Angaben. Die iranische Atomorganisation AEOI sprach zunächst von einem harmlosen Stromausfall in einer der Werkstätten außerhalb der Anlage. Dann aber bezeichnete AEOI-Chef Ali Akbar Salehi den Vorfall als einen „nuklearen Terrorakt“, gab aber keine Details an.

Die genaue Ursache des Angriffs sowie Ausmaß der Schäden werden noch untersucht. Aber laut Außenminister Sarif wurden bei dem Sabotageakt nur die Produktionslinie der älteren Zentrifugen beschädigt. „Dafür sind unsere Anlagen voll mit neueren Zentrifugen“, so der Minister. In der Natans-Anlage wird unter anderem eine neue Generation von Zentrifugen hergestellt, mit denen der Iran den Urananreicherungsprozess - derzeit bei 20 Prozent - beschleunigen und erhöhen kann.

Laut AEOI Sprecher Behrus Kamalwandi wurde bei dem Vorfall in Natans niemand verletzt. Später wurde aber berichtet, dass der Sprecher bei der Besichtigung der Anlage gestürzt sei und mit Verletzungen am Bein und Kopf ins Krankenhaus musste.

Am Dienstag werden in Wien die Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den fünf verbliebenen Partnern - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - fortgesetzt. Dabei geht es um die Rückkehr der USA und des Irans zu den Vereinbarungen von 2015. Der Iran ist laut Ruhani grundsätzlich bereit, seine Verpflichtungen aus dem Abkommen wieder einzuhalten, wenn US-Präsident Joe Biden das Abkommen wieder vertragsgerecht umsetze.

Ruhani geht es insbesondere um die Aufhebung der Sanktionen, die Bidens Vorgänger Donald Trump nach seinem Ausstieg aus dem Deal 2018 gegen den Iran verhängt hatte. Bei einer Aufhebung der US-Sanktionen würden auch die Chancen der Reformer um Ruhani bei der Präsidentenwahl wieder steigen.

© dpa-infocom, dpa:210412-99-169697/2

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