Johnson erhält vollständigen „Partygate“-Bericht

dpa London. Nun liegt der Bericht über ausschweifende Partys während der Corona-Pandemie in der Downing Street vor. Heute noch will Premier Johnson Stellung beziehen. Welche Konsequenzen sind zu erwarten?

Johnson erhält vollständigen „Partygate“-Bericht

Der britische Premierminister Boris Johnson hat übereinstimmenden Medienberichten zufolge den vollständigen Untersuchungsbericht zur „Partygate“-Affäre erhalten. Foto: Matt Dunham/AP/dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson hat den vollständigen Untersuchungsbericht zur „Partygate“-Affäre erhalten.

„Wir können bestätigen, dass Sue Gray ihren endgültigen Report dem Premierminister zur Verfügung gestellt hat“, sagte ein Sprecher der zentralen Regierungsbehörde Cabinet Office am Mittwoch. Die Spitzenbeamtin Gray war von Johnson mit der internen Ermittlung beauftragt worden. Es wurde erwartet, dass Johnson gegen Mittag im Parlament Stellung zu dem Bericht nehmen wird.

Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass der ranghöchste Regierungsbeamte Simon Case weder zurücktreten noch von Johnson entlassen werde. Case ist der Chef des Öffentlichen Diensts (Civil Service) und gilt als einer der Verantwortlichen für die tolerierte Party- und Alkoholkultur in der Downing Street.

Der Bericht wird mit Spannung erwartet. Gray hatte intern zu mehreren Lockdown-Partys im Regierungssitz ermittelt, bei denen Corona-Regeln gebrochen wurden. Wegen Polizeiermittlungen hatte Gray bisher nur einen stark gekürzten Bericht veröffentlicht. Darin wirft sie Downing Street schweres Fehlverhalten vor. Die Londoner Polizei hat mittlerweile mehr als 120 Strafbescheide gegen Dutzende Beschäftigte erlassen, auch Johnson erhielt in einem Fall eine Geldstrafe.

Die Opposition sowie einige Abgeordnete von Johnsons Konservativer Partei fordern den Rücktritt des Premiers. Dies schließt der 57-Jährige bisher aus. Johnson erhielt am Mittwoch auch Unterstützung: Dies sei kein Schlüsselmoment für den Premier, sagte der Tory-Abgeordnete Charles Walker der BBC. Im Gegenteil: Johnson habe das Schlimmste hinter sich.

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