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„Kontraste“: Russische Komiker hinter Fake-Videoschalten

Konflikte

Mittwoch, 29. Juni 2022 - 13:43 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey war nicht das einzige Opfer, das auf eine gefälschte Videoschalte mit dem vermeintlichen Kiewer Bürgermeister Klitschko hereinfiel. War alles nur ein „Joke“?

Ein von der Senatskanzlei in Berlin zur Verfügung gestelltes Foto zeigt das Fake Videotelefonat zwischen einem vorgeblichen Vitali Klitschko mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Foto: -/Senatskanzlei Berlin/dpa

Ein russisches Komiker-Duo behauptet nach einem Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“, hinter den Fake-Videotelefonaten mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und einigen ihrer Amtskollegen aus anderen europäischen Hauptstädten zu stecken.

„Ich will nicht verraten, wie wir es angestellt haben, aber es war leicht“, sagte Alexej Stoljarow vom Comedy-Duo „Vovan und Lexus“ nach ARD-Angaben in einem Telefonat mit der „Kontraste“-Redaktion. Die Behauptung des Künstlers lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Am vergangenen Freitag hatte Giffey per Video mit einer Person gesprochen, die zwar wie der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko aussah, aber nicht Klitschko war. Nach einiger Zeit waren ihr wegen verschiedener Fragen ihres Gegenübers Zweifel gekommen, ob sie mit dem echten Kiewer Bürgermeister verbunden war. Das Gespräch endete dann vorzeitig. Inzwischen wurde bekannt, dass auch die Bürgermeister von Wien, Madrid, Budapest und Warschau auf ähnliche Weise hereingelegt wurden.

Angeblich kein politisches Motiv

Details zur Frage, wie das russische Komiker-Duo den falschen Klitschko erschaffen haben will, nannte Stoljarow laut „Kontraste“ nicht. Ein politisches Motiv bestritt er demnach. Das Duo arbeite auch nicht im Auftrag russischer Geheimdienste.

Offen ist neben dem Motiv, um welche technische Art der Manipulation es sich handelte. In Berlin ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamts dazu. Die Berliner Senatskanzlei hatte am Freitag zunächst mitgeteilt, allem Anschein nach habe es sich um ein Deep Fake gehandelt. Dabei geht es um einen Medieninhalt, der mit Techniken künstlicher Intelligenz (KI) manipuliert wurde.

Mittlerweile wird nicht ausgeschlossen, dass auch eine andere Manipulationstechnik ohne KI zum Einsatz gekommen sein könnte, bei der Schnipsel bestehender Videos neu zusammengesetzt werden. So etwas wird als Shallow Fakes oder Cheap Fakes bezeichnet. Stoljarow sagte laut „Kontraste“ dazu: „Ich kann nur sagen, dass es kein Deep Fake war.“

Ob die technische Frage zweifelsfrei aufgeklärt werden kann, ist offen. Von Giffeys Fake-Videoanruf liegt laut Senatskanzlei kein Mitschnitt vor, weil das bei vertraulichen Gesprächen nicht üblich sei. Stoljarow kündigte nach „Kontraste“-Angaben an, ab Donnerstag Videoaufzeichnungen aus allen Gesprächen auf einem russischen Portal zu veröffentlichen.

© dpa-infocom, dpa:220629-99-846447/2

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