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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Samstag, 22. Oktober 2022 - 22:06 Uhr

von dpa

© Libkos/AP/dpa

Russland hat am Samstag seine massiven Luftangriffe auf die Ukraine zur Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur fortgesetzt. Der ukrainische Energieversorger beklagte schwere Schäden an den Hauptnetzen im Westen des Landes. Die Folgen seien sogar noch schlimmer als bei den russischen Angriffen zwischen dem 10. und 12. Oktober, teilte Ukrenerho mit.

Angesichts der Zerstörungen vor dem kommenden Winter warnte der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal vor einer Flüchtlingskrise. „Wenn es in der Ukraine keinen Strom, keine Heizung, kein Wasser mehr gibt, kann das einen neuen Migrationstsunami auslösen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Russland wolle der Ukraine einen kalten Winter bescheren, in dem viele Menschen erfrieren könnten, beklagte Schmyhal.

Wieder Hunderttausende Haushalte ohne Strom

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Ukrainische Behörden und Medien berichteten am Samstag über Explosionen in Riwne im Nordwesten des Landes, im Gebiet Kiew, in Odessa und anderen Regionen. Hunderttausende Haushalte waren von neuen Stromausfällen betroffen. Die Behörden in der ukrainischen Hauptstadt Kiew berichteten von Erfolgen der Luftabwehr.

In sozialen Netzwerken teilten Staatsbeamte Videos, die etwa einen ukrainischen Kampfjet dabei zeigten, wie er eine russische Rakete abgeschossen haben soll. Der Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Olexij Arestowytsch, sagte, fünf auf Kiew gerichtete Raketen seien abgefangen worden. Das bestätigte auch Bürgermeister Vitali Klitschko. „Der Luftalarm geht weiter. Bleiben Sie in den Schutzbunkern und achten Sie auf Ihre Sicherheit“, sagte er.

Energieversorger: „Wut gibt uns Stärke“

Der ukrainische Energieversorger forderte die Menschen einmal mehr zum Stromsparen auf. So sollten etwa unnötige Lichtquellen ausgeschaltet und Waschmaschinen nur in den Nachtstunden betrieben werden. Nach Darstellung von Ukrenerho will der Feind die Menschen im Land in Rage versetzen und die Lage destabilisieren. „Wut gibt uns Stärke“, hieß es in der Mitteilung des Versorgers. Er appellierte an die Menschen, mit Verständnis und Mithilfe zur Besserung der Lage beizutragen. Russland führt seit fast acht Monaten einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Bericht über Beschuss in russischer Grenzregion

Der Gouverneur der russischen Grenzregion Belgorod hat der Ukraine erneut schweren Beschuss des Gebiets vorgeworfen. Zwei Menschen seien dabei am Samstag in der Grenzstadt Schebekino getötet worden, teilte Wjatscheslaw Gladkow mit. Elf Menschen seien verletzt worden, vier von ihnen schwer.

Gladkows Angaben zufolge wurde bei dem Beschuss auch Energie-Infrastruktur getroffen. Details nannte er nicht. Rund 15 000 Menschen seien aber zeitweilig ohne Strom, Heizung und Wasser gewesen. Auch die Ukraine teilte nach massiven russischen Raketenangriffen mit, dass am Samstag im Land Hunderttausende Menschen ohne Strom gewesen seien.

Das Gebiet Belgorod beklagt mit anderen Grenzregionen wie etwa Kursk und Brjansk schon seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine immer Feuer von der Gegenseite. Eingeräumt hat die Ukraine die Vorwürfe nicht. Russland hatte immer wieder gedroht, noch härter in dem Krieg vorzugehen und auch Kommandozentralen in Kiew ins Visier zu nehmen, wenn der Beschuss nicht aufhöre.

USA fordern UN-Untersuchung zu iranischen Drohnen

Angesichts massiver Zerstörungen durch die von Russland eingesetzten Kampfdrohnen in der Ukraine fordern die USA eine UN-Untersuchung zu Vorwürfen der iranischen Herkunft der Waffen. „Die UN müssen jede Verletzung von UN-Sicherheitsratsresolutionen untersuchen, und wir dürfen nicht zulassen, dass Russland oder andere die UN am Ausüben ihrer festgeschriebenen Verpflichtungen hindern oder sie bedrohen“, sagte der US-Vertreter Jeffrey DeLaurentis bei einer Sitzung des Sicherheitsrates in New York.

Moskau und Teheran bestreiten, dass es sich um iranische Drohnen handelt. Allerdings meinen auch russische Militärexperten in Staatsmedien, dass es sich um Drohnen iranischer Bauart handele. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja warnte erneut vor einer UN-Untersuchung. Sollte es dazu kommen, werde Russland die Zusammenarbeit mit den UN überdenken.

Scholz: Wiederaufbaukonferenz ist Hoffnungszeichen

Kanzler Olaf Scholz sieht im Wiederaufbau der Ukraine nach einem Ende des russischen Angriffskriegs eine jahrzehntelange Aufgabe der Weltgemeinschaft. „Der Wiederaufbau wird eine große, große Aufgabe“, sagte Scholz vor der für diesen Dienstag in Berlin geplanten internationalen Expertenkonferenz zum Wiederaufbau des Landes. „Wir werden sehr viel investieren müssen, damit das gut funktioniert.“ Das könne die Ukraine und auch die EU nicht allein. „Das kann nur die ganze Weltgemeinschaft, die jetzt die Ukraine unterstützt. Und sie muss es für lange Zeit tun.“

Baerbock und Lambrecht wollen mehr Geld für Militärhilfe

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht und Außenministerin Annalena Baerbock fordern für das kommende Jahr deutlich mehr Geld für die militärische Unterstützung der Ukraine als bislang geplant. Die bisher im Haushaltsentwurf für 2023 eingeplanten 697 Millionen Euro sollten auf 2,2 Milliarden Euro aufgestockt werden, verlangen sie in einem Brief an Finanzminister Christian Lindner, der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Im laufenden Haushalt sind demnach Ausgabenmittel in Höhe von 2 Milliarden Euro veranschlagt.

Selenskyj: Russland behindert Getreideexport

In seiner täglichen Videobotschaft kritisierte Selenskyj zunehmende Probleme bei den im Juli mit Russland vereinbarten Getreideexporten über das Schwarze Meer. Es gebe einen Stau von 150 Schiffen, weil Russland absichtlich deren Passage verhindere. „Der Feind tut alles, um unsere Lebensmittelexporte zu verlangsamen“, sagte der Präsident. Er warf Russland vor, so eine Lebensmittelkrise und soziale Spannungen in der Welt hervorrufen zu wollen. Scholz äußerte sich am Samstag ähnlich. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe Auswirkungen auf die ganze Welt, „eine große Hungerkatastrophe ist möglich“, sagte der Kanzler.

Selenska: In Ukraine keine normale Kindheit mehr

Die Frauen der Präsidenten Deutschlands und der Ukraine, Elke Büdenbender und Olena Selenska, unterstützen ein Buchprojekt für aus der Ukraine geflüchtete Kinder. Für ukrainische Kinder gebe es keine normale Kindheit mehr, sagte Selenska am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse. „Alte Rituale, wie das Vorlesen vor dem Zubettgehen, geben Kindern Heimat zurück und für eine halbe Stunde ein Gefühl der Geborgenheit.“ Selenska und Büdenbender sind Schirmherrinnen für das Projekt „Better Time Stories“. Dabei können geflüchtete ukrainische Kinder ein Willkommenspaket mit fünf zweisprachigen Bilderbüchern zu Themen wie Trost, Liebe und Optimismus erhalten.


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