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Leasingspezialist Grenke trotzt Bilanzmanipulationsvorwürfen

Finanzen

Freitag, 2. Oktober 2020 - 12:41 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Baden-Baden. Der Leasing-Spezialist ist auch bei der Zoll-Spezialeinheit FIU in den Fokus geraten. Die Geldwäsche-Spezialisten schauen sich bisher Verdachtsmeldungen an. Immerhin: Im eigentlichen Geschäft läuft es bei dem MDax-Unternehmen besser als erwartet.

Der Leasingspezialist Grenke hat im dritten Quartal etwas mehr Neugeschäft gemacht als erwartet. Foto: Uli Deck/dpa

Der nach Vorwürfen der Bilanzmanipulation unter Druck stehende Leasing-Spezialist Grenke kann im Tagesgeschäft punkten.

Im vergangenen Quartal hat das Unternehmen etwas mehr Leasing-Neugeschäft verbucht als erwartet, wie Grenke am Freitag in Baden-Baden mitteilte. Der Wert lag aber nach wie vor deutlich unter dem Niveau des Vorjahres.

Das MDax-Unternehmen ist nun auch in den Fokus der „Financial Intelligence Unit“ (FIU) geraten, der Geldwäsche-Spezialeinheit des Zolls. Die FIU hat „gegenwärtig acht Verdachtsmeldungen identifiziert, die in einem möglichen Zusammenhang mit den aktuell gegen Unternehmen der Grenke-Unternehmensgruppe erhobenen Vorwürfe stehen könnten“, geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der finanzpolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Paus, hervor. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.

Ob es tatsächlich einen Zusammenhang gebe, könne gegenwärtig noch nicht abschließend beantwortet werden, heißt es bei der Bundesregierung weiter. „Fünf der acht Meldungen, die sämtlich vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen die Grenke AG eingegangen sind, wurden direkt infolge der Erstanalyse an die Strafverfolgungsbehörden abgegeben.“ Die übrigen drei Meldungen befänden sich bei der FIU in der Analyse. Eine Konzern-Sprecherin sagte, solche Vorwürfe seien generell keine Seltenheit: „Die FIU bekommt jährlich tausende solcher Meldungen auf den Tisch.“

Der Leasing-Spezialist aus Baden-Baden steht nach Vorwürfen der Investorengruppe Viceroy Research schwer unter Druck. Hinter den umstrittenen Investoren steht der Brite Fraser Perring, der sich bereits mit dem inzwischen insolventen Zahlungsabwickler Wirecard angelegt hatte. Viceroy wirft dem Grenke-Konzern unter anderem ein undurchsichtiges Geschäftsmodell mit unlauteren Praktiken rund um Scheingewinne und zu hoch ausgewiesenen Geldbeständen vor. Unternehmensgründer Wolfgang Grenke selbst beschuldigt Viceroy, sich durch Mauscheleien bereichert zu haben.

Perring wettet zugleich auf einen Kursrückgang der im Nebenwerteindex MDax notierten Grenke-Aktie. Diese ist seit der Attacke deutlich nach unten gerauscht. Der Börsenwert des Unternehmens ging bisher um etwas mehr als 40 Prozent oder eine Milliarde Euro auf knapp 1,5 Milliarden Euro zurück.

Wegen der Vorwürfe gegen Grenke ist zudem die Finanzaufsicht Bafin aktiv. Im Rahmen der am Montag gestarteten Sonderprüfung wird auch der Konzernabschluss von Grenke für 2019 beleuchtet. Beauftragt ist die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Mazars.

Grenke selbst hat bislang alle Vorwürfe zurückgewiesen und eigene Prüfungen auf den Weg gebracht. So wurde der bisherige Grenke-Wirtschaftsprüfer KPMG mit einem Sondergutachten beauftragt. Darüber hinaus sollen die von Viceroy kritisierten Franchise-Geschäfte und deren Übernahmen durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton unter die Lupe genommen werden. Unternehmensgründer Wolfgang Grenke lässt derzeit sein Aufsichtsratsmandat ruhen.

In seiner vor dem Wochenende veröffentlichten Mitteilung mit Eckdaten des dritten Quartals äußerte sich Grenke nicht weiter zu den Vorwürfen. Das Leasing-Neugeschäft sank demnach im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel auf 517,6 Millionen Euro. „Mit einem Niveau von 75,4 Prozent des Vorjahresquartals lag das Neugeschäftsvolumen leicht über der vom Vorstand zuletzt kommunizierten Größenordnung von rund 70 Prozent“, hieß es weiter. Zudem legte die Marge gemessen am Deckungsbeitrag im Vergleich zum Vorjahr leicht zu.

© dpa-infocom, dpa:201002-99-798709/2

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