In- und Ausland

Linksjugend: Weitere Betroffene sexueller Übergriffe

Parteien

Sonntag, 17. April 2022 - 20:14 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin/Wiesbaden. Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch, toxische Machokultur: Die Vorwürfe bei den hessischen Linken ziehen weitere Kreise. Nach Angaben der Jugendorganisation der Partei steigt die Zahl der Betroffenen.

Die Bundesvorsitzende Janine Wissler bei der Delegiertenversammlung der Partei Die Linke in Nordrhein-Westfalen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen sexueller Übergriffe bei den hessischen Linken haben sich an die mit der Partei verbundene Linksjugend Solid weitere mutmaßlich Betroffene gewendet.

Solid-Bundessprecherin Sarah Dubiel sprach am Sonntag auf Anfrage von mehr als 20 weiteren Betroffenen aus mehreren Landesverbänden. Über die weiteren mutmaßlichen Fälle hatte zuvor „Spiegel Online“ berichtet.

„Der Spiegel“ hatte am Freitag mutmaßliche Fälle von sexualisierter Gewalt in der hessischen Linkspartei öffentlich gemacht. Es gebe verschiedene Dokumente mit Hinweisen auf „mutmaßliche Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und eine toxische Machokultur“, schrieb das Nachrichtenmagazin nach Gesprächen mit zehn Frauen und Männern.

Landesvorstand will Anschuldigungen sehr ernst nehmen

Der geschäftsführende Landesvorstand in Hessen hatte daraufhin erklärt, die Anschuldigungen sehr ernst zu nehmen. Die Bundesvorsitzende Janine Wissler, frühere Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag, wandte sich zudem entschieden dagegen, dass „mir unterstellt wird, ich hätte irgendjemanden geschützt“.

Die hessische Linke hatte nach Angaben des geschäftsführenden Landesvorstands ab Ende November 2021 Kenntnis von den Vorwürfen. Die Partei habe seitdem begonnen, „diese auf allen Ebenen aufzuarbeiten“. Als weiteren Schritt zur Aufarbeitung will der hessische Landesverband „neutrale“ Vertrauensleute finden, wie er am Samstag erklärte. Diese sollen in der Partei keine Ämter und Funktionen innehaben. Die Suche wolle man nach Ostern abschließen.

Kritik an später Umsetzung: „Blamage“

Die Ankündigung komme zu spät und sei nur präventiv, kritisierte Dubiel: „An den aktuellen Fällen wird sich dadurch nichts ändern.“ Dass eine unabhängige Vertrauensstelle schon seit langem gefordert werde, jedoch erst jetzt umgesetzt werden soll, bezeichnete sie als Blamage. Nötig seien professionell geschulte und ausgebildete Ansprechpartner. „Die Partei muss jetzt Geld in die Hand nehmen, sowohl zur Aufarbeitung als auch für Ansprechpersonen zu potenziellen weiteren Fälle“, forderte Dubiel.

© dpa-infocom, dpa:220417-99-947812/2

Ihr Kommentar zum Thema

Linksjugend: Weitere Betroffene sexueller Übergriffe

Verbleibende Zeichen:

Regeln fürs Kommentieren

Bitte bleiben Sie fair und sachlich. Schreiben Sie keine Kommentare, die Beleidigungen, Verleumdungen oder falsche Tatsachenbehauptungen enthalten. Beiträge, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht (siehe Netiquette).

Bitte beachten Sie, dass Ihr Kommentar unter Ihrem echten Namen veröffentlicht wird!


captcha