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Merz zeigt sich offen für spätere Entscheidung

Jahreswechsel

Montag, 28. Dezember 2020 - 05:51 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Mitte Januar will die CDU ihre Hängepartie bei der Suche nach einem neuen Vorsitzenden beenden. Die nächste offene Frage wartet schon: Wer wird Kanzlerkandidat? Das könnte neuen Zündstoff bieten.

Merz kandidiert auf dem CDU-Online-Parteitag am 16. Januar für die Nachfolge von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz hat sich im Grundsatz offen für eine spätere Entscheidung zur Kanzlerkandidatur der Union gezeigt.

Er sei zwar „eher der Meinung, wir sollten das bald entscheiden“, sagte Merz der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Aber es gibt auch gute Argumente zu sagen, wir sollten das gemeinsam mit der CSU zu einem etwas späteren Zeitpunkt machen.“ Er werde nach seiner möglichen Wahl zum CDU-Vorsitzenden in Ruhe mit dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder über den Zeitplan zur Kandidatenkür reden.

Die entscheidende Frage sei: „Wie weit sind wir eigentlich inhaltlich und konzeptionell in unserer Arbeit?“ CDU und CSU müssten gemeinsam personell und inhaltlich in den Bundestagswahlkampf gehen, sagte Merz. Die Union stehe vor einem sehr harten Wahlkampf. „Deswegen steht über allem die Überschrift: Was ist die optimale Aufstellung, sowohl personell als auch inhaltlich für beide Parteien - CDU und CSU.“

Merz kandidiert auf dem CDU-Online-Parteitag am 16. Januar für die Nachfolge von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und der Außenpolitiker Norbert Röttgen wollen Parteivorsitzende werden.

„Bevor irgendetwas proklamiert wird, reden wir miteinander“, versicherte Merz mit Blick auf die CSU. „Ich gehöre auch nicht zu denen, die sagen: Zugriffsrecht. Da hat keiner ein Zugriffsrecht.“ CDU und CSU seien gleichberechtigte, wenn auch unterschiedlich große Partner in einer Fraktionsgemeinschaft. „Diese Fraktionsgemeinschaft ist so viel wert, die gefährde ich nicht durch Vorfestlegungen.“

Miteinander zu reden eröffne zwei Optionen, sagte der frühere Unionsfraktionschef auch vor dem Hintergrund der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg Mitte März. „Entweder wir machen es relativ schnell. Dafür spricht einiges. Oder aber wir lassen uns damit noch etwas mehr Zeit. Allerdings müssen wir immer bedenken, dass es im Januar nur noch acht Monate bis zur Bundestagswahl sind.“

Er habe Sympathie für die Idee einer gemeinsamen Präsenzveranstaltung mit der CSU, „wo wir dann auch noch einmal eine öffentliche Nominierung gemeinsam vornehmen könnten“, sagte Merz. Eine solche Veranstaltung brauche Botschaften, vielleicht auch Personal- und Sachentscheidungen. Damit könne man „gut vorbereitet in die erste Phase des Wahlkampfes gehen“.

Sein Verhältnis zu CSU-Chef Markus Söder beschrieb Merz als sehr gut. Er habe mit dem bayerischen Ministerpräsidenten immer wieder wichtige und lange Diskussionen geführt. Er schätze an Söder sehr, „dass er strategisch denkt und dass er auch sehr offen und sehr kritisch mit allen Argumenten umgeht und sie abwägt“. Auf die Frage, ob Söder auch Kanzler könne, sagte Merz: „Es gibt mindestens zwei Ministerpräsidenten in Deutschland, die von der Stellenbeschreibung her dafür grundsätzlich immer in Frage kommen. Das sind der nordrhein-westfälische und der bayerische.“

Mit Blick auf den Parteitag am 16. Januar, bei dem der Parteichef online gewählt und dann per Briefwahl bestätigt werden soll, sagte Merz, er werde versuchen, die zu Hause an ihren Computern sitzenden 1001 Delegierten auch emotional zu erreichen. „Ich werde mich darauf vorbereiten und werde auch versuchen, die Seele der Partei zu erreichen.“ Aller Voraussicht nach werde er vollkommen frei sprechen und „meiner inneren Stimme folgen, die natürlich vorbereitet ist, und all die Themen ansprechen, die ich für wichtig halte“.

Trotzdem werde er versuchen, „etwas Emotionalität durch die Kamera auf die Delegierten zu übertragen“, sagte Merz. Die Partei erwarte zu Recht „auch ein Stück Emotionalität“. Das sei in einer solchen digitalen Form „naturgemäß viel schwieriger zu realisieren, als wenn wir uns alle sehen würden“.

Auf die Frage, ob sich bei dem Online-Format ähnlich wie bei einem Präsenz-Parteitag etliche Delegierte erst während der Vorstellungsreden der Kandidaten entscheiden würden, äußerte sich Merz zurückhaltend. Er rechne damit, dass um die 20 Prozent der Delegierten noch nicht entschieden seien und sich von den Reden beeindrucken ließen. „Aber das könnte dann auch die ausschlaggebende Zahl der Delegierten für das Ergebnis sein.“

© dpa-infocom, dpa:201228-99-827560/2

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