Missbrauchsstudie der katholischen Kirche fehlt Transparenz

dpa Fulda. Der Kriminologe Christian Pfeiffer wirft den deutschen Bischöfen mangelnde Transparenz bei ihrer Studie zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche vor.

Missbrauchsstudie der katholischen Kirche fehlt Transparenz

In Fulda werden auf der Deutschen Bischofskonferenz die Ergebnisse der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ präsentiert. Foto: Felix Kästle

Es sei nicht zu verstehen, dass den Autoren der Studie kein Zugang zu Originaldokumenten in den Kirchenarchiven eingeräumt worden sei. „Die Bischofskonferenz hat mit dieser Entscheidung ihre eigene Forschung massiv entwertet“, sagte Pfeiffer der Deutschen Presse-Agentur.

Die Missbrauchsstudie soll heute bei der Herbsttagung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda vorgestellt werden. „Eine Folge davon ist, dass die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse nicht den einzelnen Diözesen und den verantwortlichen Bischöfen zuordnen konnten“, kritisierte Pfeiffer. Es sei daher zum Beispiel nicht nachzuvollziehen, wer jeweils einen auffällig gewordenen Priester einfach in eine andere Gemeinde versetzt habe, so wie dies immer wieder vorgekommen sei. Nur volle Transparenz schaffe Vertrauen, betonte Pfeiffer: „Die Bischofskonferenz hat das bisher leider nicht verstanden.“

Ähnlich sieht es der Kirchenrechtler Thomas Schüller. Hätten die Autoren der Studie direkt in alle Akten Einsicht nehmen können, „wäre sicher die Zahl der aufgedeckten Fälle größer, und sie hätten präziser die männerbündischen klerikalen Machtstrukturen analysieren können“, sagte er. Hinzu komme, dass es unter den 27 Bistümern auch Diözesen gegeben habe, die nur sehr begrenzt auskunftswillig gewesen seien. „Nicht alle Bischöfe scheinen verstanden zu haben, dass das Thema Missbrauch zur Überlebensfrage der Kirche geworden ist.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie waren bereits vorab bekannt geworden. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 insgesamt 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben.