Mittelstand sorgt sich um Kriegsfolgen

dpa Düsseldorf. Die Corona-Lockerungen gewähren mittelständischen Unternehmen wieder etwas Aufschwung. Die möglichen Folgen des Ukraine-Kriegs führen nun zu neuen Unsicherheiten - besonders in der Industrie.

Mittelstand sorgt sich um Kriegsfolgen

Der Namenszug von Creditreform steht über dem Eingang zur Zentrale des Unternehmens. Foto: Federico Gambarini/dpa

Mittelständische Unternehmen blicken mit Sorge auf die Folgen des Krieges in der Ukraine.

„Der Ukraine-Krieg ist Gift für die aufkeimende Erholung der mittelständischen Wirtschaft“, sagte der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch, am Dienstag. Die Wirtschaftsauskunftei hatte im März 1200 mittelständische Unternehmen aus allen Bundesländern zu ihrer Wirtschaftslage befragt.

Generell bewerteten die Unternehmen die Auftrags- und Umsatzlage nach dem Wegfall vieler Corona-Regeln besser als 2021. So meldeten 28,3 Prozent der Befragten, vor allem in der Dienstleistungsbranche, gestiegene Auftragseingänge (Vorjahr: 24,2 Prozent). Fast jedes dritte Unternehmen meldete ein Umsatzplus (Vorjahr: 20,1 Prozent).

Allerdings dürfte der Aufschwung in diesem Jahr aufgrund der Kriegsfolgen „eher spärlich“ ausfallen, sagte Hantzsch. Vor allem die Preissteigerungen besorgten den Mittelstand. „Die absehbar anhaltenden hohen Kosten für Vorprodukte, Material und Energie lassen die Erträge der Unternehmer schmelzen.“

Preiserhöhungen geplant

Besonders Industrieunternehmen blicken demnach eher pessimistisch auf die Ertragserwartungen im kommenden Halbjahr. Im Zuge des großen Preissprungs wollen 71,8 Prozent der befragten Unternehmen selbst ihre Preise erhöhen. Im Vorjahr waren es ein Drittel.

Zu den weiteren Herausforderungen gehören die Lieferketten sowie der Personal- und Fachkräftemangel. „Der Personalbedarf ist im Vergleich zu vor zwei Jahren viel höher“, sagte Hantzsch. „Es fehlen Kellner, es fehlen Pfleger, es fehlen Lkw-Fahrer.“

Die unsicheren Aussichten sind demnach der Hauptgrund für den Verzicht auf Investitionen. „Letztes Jahr war es Corona, dieses Jahr ist es der Ukraine-Konflikt“, beschrieb Hantzsch das Stimmungsbild. Mit 52,6 Prozent seien die Unternehmen zwar ähnlich investitionswillig wie im vergangenen Jahr. „Aber es sollte eigentlich besser sein.“ Ein weiteres Problem: Knapp ein Drittel der Unternehmen haben - wie schon im vergangenen Jahr - eine Eigenkapitalausstattung von unter zehn Prozent. „Das ist ein sehr bedenklicher Wert“, sagte Hantzsch. „Vor allem wenn man darüber nachdenkt, dass die Krise, die wir gerade erlebt haben, nicht die letzte ist, die wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren sehen.“

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