Nach Angriff auf Schule in Kasan: 23 Verletzte in Kliniken

dpa Kasan. Am Tag nach der blutigen Tat herrschen in Russland Trauer und Fassungslosigkeit. Warum hat ein 19-Jähriger in einer Schule um sich geschossen? Die Ermittler suchen nach Antworten.

Nach Angriff auf Schule in Kasan: 23 Verletzte in Kliniken

Ein Krankenwagen und Polizeifahrzeuge stehen nach einem Angriff mit Schusswaffen vor einer russischen Schule in Kasan. Foto: Roman Kruchinin/AP/dpa

Nach dem blutigen Angriff auf eine Schule in Russland werden noch 23 Menschen in Krankenhäusern behandelt. Darunter seien 20 Schüler, sagte die Vize-Leiterin der Republik Tatarstan, Leila Faslejewa, am Mittwoch der Staatsagentur Tass zufolge.

Stunden nach der Tat am Dienstag in der Großstadt Kasan war von 21 Verletzten die Rede gewesen. „Der Zustand aller ist stabil“, sagte Faslejewa. Es gebe unter den Opfern aber weiterhin Schwerverletzte. Ärzte verlegten neun Patienten zur Behandlung in die Hauptstadt Moskau.

Bei dem Amoklauf in dem Gymnasium in Kasan waren den Behörden zufolge neun Menschen getötet worden - die meisten von ihnen Kinder. Die Polizei nahm einen 19-jährigen Verdächtigen fest, der demnach legal eine Waffe besaß. Gegen den jungen Mann wird wegen Mordes ermittelt. Einen terroristischen Hintergrund schlossen die Behörden aus. Noch am Mittwoch sollte Anklage gegen ihn erhoben werden.

Nach Angaben des Ermittlungskomitees war der 19-Jährige bislang nicht in psychiatrischer Behandlung. Seine Verwandten hätten aber in den vergangenen Monaten ein aggressives Verhalten beobachtet. Der Mann hatte Berichten zufolge seine Tat vorher in seinem Nachrichtenkanal Telegram angekündigt und sich dort auch als „Gott“ bezeichnet. Mehr als 100 Ermittler werten Spuren aus und befragen Zeugen.

Am Mittwoch galt in Tatarstan Trauer. In Kasan etwa 700 Kilometer östlich von Moskau blieben die Schulen geschlossen. Die Opfer in der muslimisch geprägten Region wurden beigesetzt. Vor dem Gymnasium Nummer 175 legten Passanten Blumen und Plüschtiere nieder und entzündeten Kerzen. Aus dem Ausland gab es Beileidsbekundungen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach in Berlin den Angehörigen das Mitgefühl der Bundesregierung aus. „Die Bundeskanzlerin und die Mitglieder der Bundesregierung sind bestürzt über den Amoklauf.“ Er wünsche den Verletzten nach dieser „schrecklichen Gewalttat“ rasche und vollständige Genesung, sagte Seibert am Mittwoch.

Nach Angaben der Behörden soll die Schule nun saniert werden. Bilder aus dem Schulgebäude hatten verwüstete Gänge und zersplittertes Glas auf dem Boden gezeigt. Wie die Tageszeitung „Kommersant“ schrieb, war es zur Explosion einer selbst gebauten Handgranate gekommen. Moskau will nun die Regelung für zivilen Waffenbesitz verschärfen.

Indes nahmen Sicherheitskräfte der Agentur Tass zufolge auf der von Russland einverleibten Halbinsel Krim einen Mann fest, der in sozialen Netzwerken mit der Explosion in einer Schule gedroht haben soll. Details dazu lagen zunächst nicht vor. In der Vergangenheit hatte es nach solchen Drohungen mehrfach Festnahmen gegeben.

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