Nach Schüssen: Russland warnt vor Grenzverletzungen

dpa Moskau. Über den Vorfall im Schwarzen Meer gibt es unterschiedliche Ansichten. Ein britischer Minister behauptet nun, Russland habe zuvor eine Militärübung angekündigt. Moskau zeichnet ein ganz anderes Bild.

Nach Schüssen: Russland warnt vor Grenzverletzungen

Kapitän John Foreman (r), Militärattaché in der britischen Botschaft, der nach dem Vorfall im Schwarzen Meer an einer Sitzung im russischen Verteidigungsministerium teilnimmt. Foto: ---/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Nach Warnschüssen und Bombenabwürfen zur Abschreckung eines britischen Kriegsschiffs im Schwarzen Meer hat Russland andere Staaten vor dem Einfahren in russische Hoheitsgewässer gewarnt.

Der Vorfall mit dem britischen Zerstörer „HMS Defender“ vor der Küste der Halbinsel Krim sei ein „ernster Moment“, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow laut Agentur Interfax. Russland werde seine territoriale Integrität notfalls auch militärisch verteidigen.

Aus Moskauer Sicht war das britische Schiff am Mittwoch drei Kilometer weit in russisches Hoheitsgewässer gefahren. Nach missachteten Warnungen seien Warnschüsse und präventiv vier Bomben auf den Kurs des Schiffes abgeworfen worden.

Die Briten dementierten diese Darstellung: Zwar habe es Schüsse gegeben, doch das Feuer sei Teil einer zuvor angekündigten russischen Militärübung gewesen, sagte Kabinettsmitglied George Eustice dem Sender Sky News. Dies komme in der Region um die von Russland annektierte Halbinsel Krim häufiger vor, Moskau habe vorab darüber informiert. Die Einverleibung der Krim 2014 durch Russland wird international als illegal eingestuft.

Russland warne alle Staaten vor Grenzverletzungen und „ähnlichen provozierenden Schritten“, sagte Vize-Außenminister Rjabkow. Man könne zwar an den gesunden Menschenverstand und an die Achtung internationalen Rechts appellieren, sagte er. „Aber wenn das nicht hilft, können wir bombardieren - nicht nur auf den Kurs, sondern auch auf Ziele, wenn die Kollegen nicht verstehen.“

Berichte britischer Reporter an Bord des Schiffs legen ebenfalls gezielte Warnschüsse nahe. So meldete ein Journalist der Zeitung „Daily Mail“ an Bord, die russische Küstenwache habe Warnschüsse angedroht, falls die „Defender“ nicht abdrehe. Gut ein Dutzend russische Kampfjets seien über das Kriegsschiff hinweg gejagt, und die Küstenwache habe Schüsse abgegeben.

Der britische Umweltminister Eustice sagte, nach internationalem Recht dürfe man den nächstgelegenen und schnellsten Weg von einem Punkt zum anderen nehmen. „Die „HMS Defender“ durchquerte ukrainische Gewässer, ich glaube auf dem Weg nach Georgien, und das war der logische Weg für sie.“ Eustice betonte, die Royal Navy werde „natürlich“ auch bei der nächsten Gelegenheit die umstrittene Gegend durchqueren. „Wir haben die Annexion der Krim nie akzeptiert, dies sind ukrainische Gewässer“, sagte der Minister.

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