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Nach Tötung von Dschihad-Führer: Raketenangriffe auf Israel

Konflikte

Mittwoch, 13. November 2019 - 06:57 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Tel Aviv/Gaza. Israel tötet überraschend einen Militärchef des Islamischen Dschihad im Gazastreifen. Es folgt neuer Raketenhagel auf Israel. Wie geht es nun weiter?

Eine palästinensische Rakete wird aus Gaza abgefeuert. Foto: Ashraf Amra/APA Images via ZUMA Wire/dpa

Die gezielte Tötung eines militanten Palästinenserführers und massive Raketenangriffe auf Israel schüren die Furcht vor einem neuen Gaza-Krieg.

Israels Luftwaffe hatte am Dienstag bei einem Überraschungsangriff in Gaza Baha Abu Al Ata getötet, einen Militärchef der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Auch dessen Ehefrau kam zu Tode, im Verlauf des Tages wurden acht weitere militante Palästinenser bei Luftangriffen getötet. Nach Angaben der israelischen Armee hatten sie neue Raketenangriffe vorbereitet oder schon ausgeführt. Aus Sorge vor weiterer Gewalt sollen die Schulen in israelischen Grenzorten wie Sderot am Mittwoch am zweiten Tag in Folge geschlossen bleiben.

Rund 200 Raketen wurden nach Militärangaben am Dienstag vom Gazastreifen aus auf Israel abgefeuert. Dutzende davon seien von der Raketenabwehr Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden. Rund 40 Israelis wurden nach Angaben von Sanitätern verletzt. In der Nacht auf Mittwoch heulten in den Gebieten entlang des Gazastreifens erneut die Alarmsirenen. Nach Medienberichten wurden in der Nacht mindestens zwei Raketen abgewehrt.

US-Vizepräsident Mike Pence verurteilte die Raketenangriffe auf Zivilisten in Israel. „Es ist klar, dass Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad die Gewalt vor ein besseres Leben der Menschen in Gaza stellen“, twitterte Pence am späten Dienstagabend. Israel habe das Recht auf Selbstveteidigung, schrieb er.

Der Islamische Dschihad nannte den tödlichen Angriff auf seinen Militärchef eine „Kriegserklärung“ Israels, es seien damit „alle roten Linien überschritten“ worden. Nach syrischen Angaben wurden bei einem weiteren Angriff der israelischen Luftwaffe auf einen anderen Dschihad-Führer in Damaskus, Akram Al-Adschuri, zwei Menschen getötet. Al-Adschuri selbst sei nur verletzt worden.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu beschrieb Abu Al Ata als „den zentralen Verantwortlichen für Terrorattacken aus dem Gazastreifen“. Der Militärchef stehe hinter Angriffen mit Hunderten von Raketen und sei dabei gewesen, neue Attacken zu planen.

Nach Medienberichten bemühen sich Ägypten und die Vereinten Nationen hinter den Kulissen intensiv um eine Beruhigung der Lage. Angesichts der Eskalation berief die israelische Armee Hunderte Reservisten ein. Die Armee verlegte nach eigenen Angaben verstärkt Truppen ins Grenzgebiet. Die beiden Grenzübergänge von Israel in den Gazastreifen blieben bis auf Weiteres geschlossen.

Abu Al Ata war ein Anführer der Al-Kuds-Brigaden, des bewaffneten Arms des Islamischen Dschihad im Gazastreifen. Sie gilt als zweitstärkste Extremistenorganisation nach der islamistischen Hamas. Beide Organisationen haben schon mehrfach blutige Terroranschläge in Israel verübt.

In der Vergangenheit hatte Israel immer wieder gezielt militante Palästinenser getötet, darunter Führungsmitglieder der Hamas. Nach dem Gaza-Krieg 2014 hatte das Militär im Rahmen einer Waffenruhe diese Praxis jedoch weitgehend ausgesetzt.

Israel hatte während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen erobert. Vor zwölf Jahren verschärfte es eine Blockade des Gazastreifens, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen dies mit Sicherheitsinteressen. Die Hamas wird von der Europäischen Union, Israel und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben.

Anwohner und Passanten stehen nach dem israelischen Luftangriff vor dem beschädigte Haus von Baha Abu Al Ata. Foto: Mohammed Talatene/dpa

Eine Menschenmenge trägt den eingewickelten Körper von Dschihad-Militärchef Baha Abu Al Ata in Gaza-Stadt zu Grabe. Foto: Mohammed Talatene/dpa

Angehörige trauern bei der Beerdigung von Baha Abu Al Ata. Foto: Mohammed Talatene/dpa

Raketen werden vom Gazastreifen Richtung Israel gefeuert. Foto: Hatem Moussa/AP/dpa

Zwei Männer suchen in Sderot in der Negev-Wüste während des Raketenalarms Schutz. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Das beschädigte Haus des Dschihad-Führers Baha Abu Al Ata. Die Eskalation in Nahost nährt die Furcht vor einem neuen Gaza-Krieg. Foto: Mohammed Talatene/dpa

Das israelische Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ hat einen Teil der Geschosse aus dem Gazastreifen abgefangen. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Rauch quillt aus einer brennenden Fabrik in Sderot, die von einer Rakete aus Gazas getroffen wurde. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Ein Feuerwehrmann ruht sich beim Einsatz aus. Foto: Ilia Yefimovich/dpa


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