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In- und Ausland

Ökonomen in Sorge wegen US-Zöllen

Arbeitsmarkt

Sonntag, 25. März 2018 - 08:52 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Nürnberg. Noch vor kurzem beurteilten sie die wirtschaftliche Lage geradezu euphorisch - nun sehen Volkswirte die Lage nicht mehr so optimistisch. Zu groß ist der Schatten, der sich mit dem US-Handelsstreit über die Wirtschaft gelegt hat.

US-Präsident Trump hatte umfassende Einfuhrzölle auf Stahl von 25 Prozent und auf Aluminium von 10 Prozent verhängt. Die EU-Länder nahm er davon vorerst aus, während er milliardenschwere Zölle gegen China ankündigte. Foto: Julian Stratenschulte

Trotz des vorübergehenden Einlenkens der USA im Handelsstreit mit der EU sorgen sich Konjunkturexperten um das Wirtschaftsklima in Deutschland.

Die Drohung der USA, Strafzölle gegenüber der EU zu erheben, sei weiter im Raum und werfe einen Schatten auf den Konjunktur- und Job-Boom, warnten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Unterschiedlich bewerten die Ökonomen dagegen den sich zuspitzenden Handelskonflikt mit China, in dem die USA künftig viele aus Fernost importierte Waren mit Zöllen belegen wollen.

Die meisten der von dpa befragten Volkswirte fürchten, dass ein Handelskrieg zwischen den USA und China über kurz oder lang auch auf die europäische und deutsche Wirtschaft durchschlagen wird. „USA und China sind wichtige Handelspartner für Deutschland“, gibt etwa Michael Holstein von der DZ-Bank zu Bedenken. Sollten beide Volkswirtschaften durch Zollbarrieren geschwächt werden, werde das auch die Nachfrage nach Importprodukten aus der EU drücken.

US-Präsident Trump hatte vor rund zwei Wochen umfassende Einfuhrzölle auf Stahl von 25 Prozent und auf Aluminium von 10 Prozent verhängt. Am Donnerstag nahm er aber die EU-Länder davon vorerst aus, während er milliardenschwere Zölle gegen China ankündigte.

Besorgt über die US-amerikanischen Zölle und eine mögliche Vergeltung ist auch KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Verlierer einer Spirale der Abschottung zwischen den USA und der EU wären Verbraucher und Arbeitnehmer auf beiden Seiten des Atlantiks. „Nun hat sich womöglich doch noch Vernunft durchgesetzt. Eines der größten Konjunkturrisiken scheint damit vorerst vom Tisch“, stellt Zeuner fest.

Recht „entspannt“ sieht BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar die Handelskonflikte. Selbst US-Zölle gegen Stahl- und Aluminium aus der EU würden Deutschlands Wirtschaft verhältnismäßig wenig treffen. Nach seinen Berechnungen machten die Stahl- und Alu-Lieferungen in die USA lediglich 0,1 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts aus. „Die deutschen Stahl- und Alu-Hersteller sind da sehr differenziert aufgestellt“, gibt Kipar zu bedenken. Und von dem Konflikt zwischen USA und China könnten manche hiesigen Branchen gar profitieren, weil sich damit China-Importe in die EU verbilligen würden.

Unisono warnen die Volkswirte vor Schwarzmalerei. Denn auch wenn man derzeit bei manchen Unternehmen auf gedämpften Optimismus stoße, laufe die deutsche Konjunktur weiter ausgesprochen rund. Sie sehen daher auch keinen Anlass, ihre Prognosen für das Wachstum der deutschen Wirtschaft zu senken, die für 2018 durchweg bei über zwei Prozent liegen. Das jüngst vom Ifo-Institut festgestellte schlechtere Geschäftsklima der Firmen stellt nach Ansicht von DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein nur eine „Normalisierung“ dar.

Optimistisch sind die Volkswirte indes in Sachen Arbeitsmarkt. „Volle Auftragsbücher und das starke Wachstum der Weltwirtschaft lassen erwarten, dass der Job-Boom auch im Frühjahr kein Ende finden wird“, meinte etwa Zeuner von der KfW-Bank. Auch andere Experten sehen keinen Anlass, ihre guten Arbeitsmarktprognosen für 2018 zu senken. Die Fachleute rechnen für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit im Schnitt um 100 000 bis 180 000 Menschen.

Für März gehen die Ökonomen von einem etwas schwächeren Frühjahrsaufschwung aus als in den Vorjahren. Nach ihrer Prognose ist die Arbeitslosigkeit um knapp 75 000 auf 2,47 Millionen Erwerbslose gefallen. Das sind rund 190 000 Jobsucher weniger als vor einem Jahr.

Der Grund, warum der Rückgang in diesem März etwas schwächer ausfällt als in den Vorjahren, ist laut Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld der harte Winter. Vor allem Baufirmen seien kalt erwischt worden. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag (29. März) bekanntgeben.

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