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Orthodoxe Christen: Osterfest im Zeichen des Krieges

Brauchtum

Sonntag, 24. April 2022 - 11:05 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Athen/Moskau. Vereint trotz Krieg: Auf der ganzen Welt kommen orthodoxe Christen zu Gottesdiensten und Messen zusammen, um Ostern zu feiern. In der Ukraine galt in der Osternacht aber eine Ausgangssperre.

Präsident von Russland Wladimir Putin besucht den orthodoxen Ostergottesdienst in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau und hält eine Kerze. Foto: Alexander Zemlianichenko/Pool AP/dpa

Millionen orthodoxe Christen in aller Welt haben in der Nacht zum Sonntag mit großen Mitternachtsmessen das orthodoxe Osterfest eingeläutet.

In vielen Kirchen kam der Krieg in der Ukraine zur Sprache. „Wir fühlen den Schmerz, er zerreißt uns das Herz“, sagte Bartholomäus I. - der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel. Deutlicher noch wurde Patriarch Theodor von Alexandrien: „Obwohl Gott den Menschen den Weg zum Frieden gezeigt hat, bleiben sie gespalten durch Feindschaften und Streitigkeiten“, sagte er. Die Menschheit werde zu Kriegen geführt, die die Erde mit Blut tränkten. „Dieses Bild erleben wir heute ganz klar, wenn wir voller Trauer sehen, wie sich unsere Glaubensbrüder in der Ukraine gegenseitig töten.“

Putin bei Oster-Gottesdienst

Russlands Präsident Wladimir Putin besuchte in der Nacht zum Sonntag in Moskau einen Oster-Gottesdienst. Er habe dem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt Patriarch Kirill gemäß Tradition ein verziertes Osterei überreicht, berichtete die Nachrichtenagentur Tass.

Patriarch Kirill steht auch in dem von Putin am 24. Februar begonnenen Krieg fest an der Seite des russischen Präsidenten. Er sieht das Vorgehen dort auch als einen Kampf gegen den Einfluss liberaler westlicher und demokratischer Werte in der Ukraine. Am Samstag hatte Kirill von einem „Blutvergießen“ in der Ukraine gesprochen – und von der Hoffnung auf ein baldiges Ende.

Putin hat auch mit Blick auf seinen Krieg gegen die Ukraine die Rolle der Kirche für den Zusammenhalt in der Gesellschaft gewürdigt. Patriarch Kirill entwickle die „fruchtbare Zusammenarbeit von Staat und Kirche“, leiste einen „riesigen Beitrag“ für die Durchsetzung traditioneller Werte in der Gesellschaft, lobte Putin in seiner am Sonntag vom Kreml veröffentlichten österlichen Grußbotschaft.

Die Kirche ist eine wichtige Machtstütze Putins. „In unserer nicht einfachen Zeit kümmert sie sich um die Festigung des Konsenses und der Verständigung zwischen den Menschen“, sagte der Präsident.

„Dieser große Feiertag vereint die orthodoxen Christen, alle Bürger Russlands, die die Auferstehung Christi begehen“, sagte Putin. Er hatte immer wieder Ostern in der Erlöserkathedrale gefeiert, im vergangenen Jahr blieb er wegen der Pandemie aber fern.

Ausgangssperre in der Ukraine

In der Ukraine galt unterdessen in der orthodoxen Osternacht eine Ausgangssperre, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache erinnerte. Gottesdienste konnten am Sonntag ab 5.00 Uhr morgens aufgesucht werden.

Zugleich machte Selenskyj seinen Landsleuten Hoffnung auf einen Sieg. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis alle in der Ukraine wieder sicher in Frieden leben würden. Russland scheine auf Jahre in dem Tag zwischen Kreuzigung und Wiederauferstehung steckengeblieben zu sein, „an dem der Tod triumphiert und Gott verschwunden zu sein scheint“, sagte er. Aber das Leben werde den Tod besiegen und das Böse werde bestraft werden.

Auch in Deutschland besuchten orthodoxe Christen Ostermessen, so unter anderem in der Christi-Verklärungs-Gemeinde in Baden-Baden, wo die Menschen für den Frieden in der Welt und in der Ukraine beteten. Weil die orthodoxen Kirchen sich am julianischen Kalender orientieren, kommt es meist zu unterschiedlichen Osterterminen: Im julianischen Kalender beginnt der Frühling 13 Tage später als im gregorianischen. So fällt der orthodoxe Ostersonntag fast immer auf einen späteren Zeitpunkt als in der restlichen christlichen Welt.

© dpa-infocom, dpa:220424-99-23135/4

Orthodoxe Gläubige halten Kerzen während des Ostergottesdienstes in der Brancusi-Gemeindekirche in Bukarest. Foto: Andreea Alexandru/AP/dpa

Abt (Hegumen) Andrei hält in der Christi-Verklärungs-Gemeinde in Baden-Baden einen russisch-orthodoxen Ostergottesdienst ab. Foto: Uli Deck/dpa

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