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Oxfam will sexuelle Ausbeutung stärker bekämpfen

Hilfsorganisationen

Freitag, 16. Februar 2018 - 12:51 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa London. Für Oxfam kommt es seit einer Woche knüppeldick: Der Hilfsorganisation wird nach mehreren Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs ein Mangel an Moral vorgeworfen. Jetzt setzt Oxfam auf eine strenge interne Aufklärung und bittet „aus tiefem Herzen um Vergebung“.

Oxfam-Filiale in London: Die Hilfsorganisation muss um ihren Ruf kämpfen. Foto: Nick Ansell/PA Wire

Zur Vermeidung sexueller Ausbeutung hat die Hilfsorganisation Oxfam einen umfassenden Aktionsplan beschlossen. So wird künftig eine unabhängige Untersuchungskommission Vorwürfen sexueller Übergriffe nachgehen.

„Ich lade wirklich jeden, der in unserer Organisation das Opfer von Missbrauch wurde, dazu ein, sich zu melden“, sagte die Geschäftsführerin von Oxfam International, Winnie Byanyima, dem britischen Sender BBC.

„Ich bitte aus tiefem Herzen um Vergebung“, betonte die gebürtige Uganderin mit Blick auf die Opfer. Damit reagierte sie auf Berichte über sexuelle Übergriffe einiger Mitarbeiter. Auch Ärzte ohne Grenzen und die US-Flüchtlingsorganisation International Rescue Committee (IRC) räumten sexuelles Fehlverhalten in den eigenen Reihen ein.

Oxfam will außerdem den Etat für Schutzmaßnahmen vor sexueller Ausbeutung deutlich erhöhen. Geplant ist zudem eine weltweite Datenbank von zuverlässigen Referenzgebern. So sollen bei einem Jobwechsel frühere Vergehen besser erkannt werden. Oxfam habe „ein Problem“, räumte Byanyima ein. Die meisten der weltweit etwa 10.000 Mitarbeiter hätten sich aber nichts zuschulden kommen lassen.

Die Missbrauchsdebatte war durch Berichte über Sexpartys von Oxfam-Mitarbeitern mit Prostituierten in Haiti und im Tschad losgetreten worden. Die britische Vizechefin Penny Lawrence trat daraufhin zurück. Eine frühere Oxfam-Managerin hatte zudem berichtet, dass Männer Sex von Frauen als Gegenleistung für Hilfen verlangt hätten.

Ein ehemaliger Oxfam-Mitarbeiter aus Belgien, der eine zentrale Rolle bei den Sexpartys gespielt haben soll, wies inzwischen öffentlich die Schuld von sich. Die meisten Vorwürfe seien „absoluter Blödsinn“. „Niemand ist perfekt. Aber ich bin kein Schwein“, sagte er.


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