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Papst Franziskus reist nach Assisi für neue Enzyklika

Kirche

Samstag, 3. Oktober 2020 - 11:11 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Rom. Fünf Jahre haben gläubige Katholiken auf eine neue Enzyklika von Franziskus gewartet. Was in dem besonderen Lehrschreiben steht, hält der Vatikan lange geheim. Das steigert die Spannung.

Papst Franziskus reist für die Unterschrift unter die neue Enzyklika aus dem Vatikan in die Stadt seines Namensgebers, des heiligen Franz von Assisi. Foto: Luca Zennaro/Pool/ANSA/epa/dpa

Papst Franziskus unterschreibt heute in der italienischen Pilgerstadt Assisi in Umbrien eine neue Enzyklika. Es wird das dritte derartige Lehrschreiben des katholischen Kirchenoberhaupts. Der Text selbst ist noch nicht bekannt.

Der 83-jährige Papst reist für die Unterschrift extra aus dem Vatikan in die Stadt seines Namensgebers, des heiligen Franz von Assisi. Mit der symbolischen Geste unterstreicht er den Stellenwert der Enzyklika. Es wird die erste Reise des Argentiniers seit dem Beginn der Corona-Pandemie.

Die neue Enzyklika mit dem Titel „Fratelli tutti“ ist das dritte Grundsatzdokument dieser Art von Papst Franziskus. Vor über fünf Jahren veröffentlichte das Kirchenoberhaupt seine vorherige, sogenannte Umwelt-Enzyklika. In dem Text von 2015 mit dem Titel „Laudato si“ nahm Franziskus zu Themen wie Klimaschutz und Armut Stellung.

Was ist eine Enzyklika?

Eine Enzyklika ist ein wichtiges Schreiben, das Richtlinien des Papstes für die katholische Kirche enthält. In dem Begriff steckt das griechische Wort „kyklos“, also Kreis oder Ring. Gemeint ist, dass der Text im Kreis läuft, man nennt das Papier auch Rundschreiben. Päpste nehmen darin zu zentralen theologischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung. In ihrer Kirche hat ein solches Grundsatzdokument eine hohe Verbindlichkeit, die Deutsche Bischofskonferenz spricht von „Lehrgewalt“. Eine Enzyklika kann päpstliche Urteile zu breit diskutierten Fragen enthalten. Trotzdem sehen Experten Raum für Interpretationen. Als „unfehlbar“ gelten die Dokumente nicht.

Seit wann gibt es Enzykliken?

Diese Form eines Lehrbriefs, der inzwischen oft den Umfang eines Buches annimmt, geht auf den italienischen Papst Benedikt XIV. zurück. Er war von 1740 bis 1758 im Amt. Heute wird der Text oft als Broschüre und Buch in vielen Sprachen gedruckt.

Schreibt nur der Papst den Text?

Der Papst ist offiziell der Autor. Aber er kann auch Vorlagen von anderen nutzen. Vatikankenner berichten, dass Franziskus - wie etwa sein Vorgänger Benedikt XVI. - Fachleute um Entwürfe für bestimmte Themen bat. Das können Kirchenleute sein, Vertraute, aber auch normale Wissenschaftler. Selbst wenn sie namentlich in der Regel nicht im Text als Autor auftauchen, sagen Insider, dass sie an den Details in früheren Enzykliken andere Autoren als Schreiber erkannt hätten. Allerdings überarbeitet Franziskus die Vorlagen den Angaben nach lange und genau, so dass am Ende alles seine Handschrift trägt. Den genauen Inhalt hält der Vatikan bis zum Schluss geheim.

Gibt es Vorschriften zu Längen und Themen?

Der Papst entscheidet letztlich selbst, wann und wozu er eine Enzyklika veröffentlicht. Es kann darin um Glaubensfragen gehen, um Philosophie, Soziales, den Staat, die Wirtschaft oder um Kirchenpolitik. Eine Enzyklika kann sich eher an die Bischöfe richten, an alle Katholiken oder auch an andere Menschen weltweit. Früher waren die Schreiben häufig kurz, mancher Papst verfasste mehrere in einem Jahr. Zuletzt waren sie sehr lang.

Welchen Zweck hat eine Enzyklika, da der Papst doch regelmäßig Ansprachen hält?

Eine Enzyklika hat kirchenrechtlich mehr Gewicht als etwa einfache Briefe des Papstes an andere Teile der katholischen Kirche oder als seine Reden. Wenn sie veröffentlicht ist, gehen andere Gremien der Kirche an die Umsetzung. „Eine Enzyklika hat ein besonderes Gewicht. In der Folge ergeben sich auch für die Kirche in Deutschland viele Arbeitsaufträge. Die Leitlinien des Papstes werden dann auch hierzulande heruntergebrochen in die kirchliche Arbeit“, erläutert Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Wenn eine Enzyklika international Aufmerksamkeit bekommt, kann ein Papst damit Zeichen setzen.

© dpa-infocom, dpa:201003-99-807704/3

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