Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
In- und Ausland

Prozess um Massenrausch von Handeloh nähert sich dem Ende

Notfälle

Mittwoch, 22. November 2017 - 07:24 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Stade. Menschen wälzen sich mit Krämpfen auf dem Boden, einige sind bewusstlos, andere halluzinieren. Bei einem Seminar im niedersächsischen Handeloh geht ein Drogenexperiment gründlich schief. Der Prozess gegen den Veranstalter könnte nun zu Ende gehen.

September 2015: Zahlreiche Rettungswagen und Notärzte sind in Handeloh in Niedersachsen im Einsatz. Foto: Christian Butt

Im Prozess um den folgenschweren Massenrausch bei einem Seminar im niedersächsischen Handeloh könnte heute möglicherweise schon ein Urteil gegen den Hauptorganisator fallen.

Es ist erst der zweite Verhandlungstag. Zeugen sind keine mehr geladen. Staatsanwaltschaft und Verteidiger bereiten sich auf Plädoyers vor. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass das Landgericht Stade anschließend das Urteil sprechen könnte.

Angeklagt ist ein Diplom-Psychologe und Psychotherapeut, der am Mittwoch 53 Jahre alt wird. Er hatte gleich zu Beginn eingeräumt, dass er bei dem Seminar im September 2015 Drogen eingesetzt hat. „Ich bestätige, dass die Anklagevorwürfe zu Recht erhoben wurden“, so der Angeklagte am ersten Prozesstag. Das Verfahren gegen seine Frau, die das Treffen mit organisiert hatte, wurde bereits gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Den 27 Teilnehmern bot der 53-Jährige nach eigenen Angaben Kapseln mit dem Halluzinogen 2C-E an, in denen ohne sein Wissen auch die psychoaktive Substanz DragonFly enthalten gewesen sei. Er sprach von einem „Unfall“ und entschuldigte sich mehrfach bei allen Betroffenen.

Am 4. September 2015 waren über 160 Rettungskräfte im Einsatz. Die 27 Teilnehmer des Seminars wurden mit Wahnvorstellungen, Krämpfen und Herzrasen in verschiedene Krankenhäuser gebracht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Drogenbesitz und Überlassen von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch „in nicht geringer Menge“ vor. Laut Anklage sollte im Rahmen einer äußerst umstrittenen Therapieform, der sogenannten Psycholyse, eine Bewusstseinserweiterung erreicht werden.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.