In- und Ausland

Pyrotechnik und Schafsköpfe vor Abgeordneten-Büro

Kriminalität

Freitag, 17. Dezember 2021 - 13:14 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Leipzig. Erneut ist das Büro der Linken-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel Ziel von Angriffen. Im Jahr 2017 gab es einen Einschussloch in der Schaufensterscheibe ihres Büros. Nun haben Unbekannte abgetrennte Schafsköpfe platziert.

Die Polizei hat den Platz vor dem Büro abgesperrt. Foto: TNN/dpa

Vor dem Büro der Leipziger Linke-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel haben Unbekannte laut Polizei gestern Abend Pyrotechnik gezündet und zwei abgetrennte Schafsköpfe platziert.

Zudem habe ein Schreiben mit Hinweisen auf Nagels Äußerungen nach Beschädigungen an einer Leipziger Moschee vor dem Büro gelegen, teilte die Polizei mit. Der polizeiliche Staatsschutz ermittele, weil ein politisches Motiv nicht auszuschließen sei. Das Büro, das den Namen linXXnet Leipzig trägt, ist auch Wahlkreisbüro von weiteren Bundes- und Landtagsabgeordneten der Linke-Partei. Beschädigt wurde beim Zünden der Pyrotechnik vor dem Büro laut Polizei nichts.

Am Montagabend waren mehrere Fenster einer Leipziger Ditib-Moschee beschädigt worden. Ein Polizeisprecher hatte in der Nacht zum Dienstag gesagt, die Moschee sei im Zusammenhang mit einem Aufzug von etwa 100 vermummten Menschen beschädigt worden, die die Polizei als linksmotivierte Gruppe einordne. Diese Angaben bestätigte eine Sprecherin am Dienstag nicht. Am Freitag war die Polizei zunächst nicht für weitere Auskünfte zu erreichen.

Es habe danach im Internet Schuldzuweisungen gegen sie und ihr Büro gegeben, sagte Nagel am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Ihren Angaben zufolge habe ihre Stellungnahme dazu sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Neben viel Zustimmung habe es sowohl Kritik von Ditib-Unterstützern gegeben, als auch von Linken, die die Nähe des Moscheeverbandes Ditib zum türkischen Staat kritisieren. Nagel hatte auf Twitter geschrieben: „Anschläge auf Moscheen in Deutschland, gar in Sachsen? Geht gar nicht“. Es brauche den Gesprächsfaden auch zu Ditib, Unterstützung von Reformbestrebungen und den Zugang zu Moscheegängerinnen und -gängern.

Nach Nagels Angaben seien jüngst drei junge Männer in ihrem Büro erschienen. Sie hätten gedroht, „dass etwas passiert, wenn wir uns nicht eindeutig positionieren zu dem Anschlag auf die Ditib-Moschee“, sagte Nagel. Daher sei der Angriff auf ihr Büro als „Vergeltungsschlag“ zu lesen, der jedoch fehllaufe. Sie wolle mit der Gemeinde in Kontakt treten und rief die linke Szene im Leipziger Osten auf, das Gespräch zu suchen und Spenden zu sammeln. „Wir lehnen solche Anschläge auf Gebetshäuser insbesondere von Muslimen, von migrantischen Menschen hier in Leipzig, in Sachsen ab“, so Nagel.

© dpa-infocom, dpa:211217-99-421382/2

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