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Reden über den Tod: Schule öffnet nach Bluttat wieder

Kriminalität

Mittwoch, 24. Januar 2018 - 08:21 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Lünen. Wie konnte es dazu kommen, dass ein 14-Jähriger an einer Schule in Lünen durch die Hand eines Mitschülers zu Tode kam? Während eine Mordkommission die Hintergründe ermittelt, geht der Schulbetrieb am Mittwoch weiter. Am Mittag gibt es eine Schweigeminute in Stadt.

Vor der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule werden Kerzen und Blumen abgestellt. Foto: Guido Kirchner

Am Tag nach der Bluttat an der Käthe-Kollwitz-Schule in Lünen beginnt der Unterricht wie üblich um 8.15 Uhr. Der Unterricht soll auch nach Plan enden. Dazwischen liegen aber nicht Deutsch und Mathematik, sondern eine Schweigeminute und lange Gespräche zur Bewältigung des Schocks.

Der 15-Jährige mutmaßliche Täter soll am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Er ist dringend verdächtig, einen 14-jährigen Mitschüler erstochen zu haben.

Nach der Vernehmung des 15-Jährigen teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit: Der mutmaßliche Täter war offenbar der Meinung, dass seine Mutter vom 14-Jährigen provozierend angeschaut worden sei. Deshalb habe er das Messer gezückt und zugestochen, so die Behörden. Der 15-Jährige sei polizeibekannt gewesen und habe als aggressiv und unbeschulbar gegolten.

Deshalb habe er vorübergehend eine andere Schule besucht, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Am Dienstag habe er in der Käthe-Kollwitz-Schule zusammen mit seiner Mutter auf einen Gesprächstermin bei einer Sozialarbeiterin gewartet, weil er zurück auf die Käthe-Kollwitz-Schule sollte. Dabei sei er auf den 14-Jährigen getroffen.

Alle Schüler sollen am Mittwoch Gelegenheit bekommen, im Klassenverband mit den Lehrern über das Ereignis vom Dienstag zu sprechen. „Den unterrichtlichen Rahmen möchten wir als Schulgemeinde nutzen, um gemeinsam das Erlebte und Geschehene aufzuarbeiten“, teilte die Schule auf ihrer Homepage mit.

Der Tod des 14-Jährigen hatte Schüler und Lehrer am Dienstagmorgen schockiert. Der mutmaßliche Täter war nach kurzer Flucht gefasst worden.

In einem an die Eltern gerichteten Text betonte die Schulleitung, dass die vertrauten Schulstrukturen den Kindern Halt geben. Außerdem stünden Schulpsychologen und Notfallseelsorger jederzeit für Gespräche und andere Hilfen bereit. Eine für diesen Freitag an der Schule geplante Kulturveranstaltung wurde abgesagt.

Die Stadt Lünen gedenkt des Getöteten um 12.00 Uhr in einer Schweigeminute in allen Schulen und im Lüner Rathaus. „Diese schreckliche Tat macht mich tief betroffen. Unser tiefes Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten der Familie des Opfers“, hatte Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns auf der Internetseite der Stadt mitgeteilt.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hielt bereits am Dienstag kurz inne. „Es ist die schrecklichste Vorstellung, die man als Eltern haben kann: Das eigene Kind verlässt das Haus und kommt nicht wieder“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Die Kollwitz-Schule ist eine von zwei Gesamtschulen in Lünen, einer Stadt zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Nach Angaben der Stadtverwaltung besuchen 968 Schüler die Einrichtung.


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