Russischer Impfstoff: AfD-Delegation reist nach Moskau

dpa Moskau. Die AfD-Fraktionschefein Alice Weidel ist mit Parteikollegen für Gespräche nach Moskau gereist - und das inmitten massiver außenpolitischer Spannungen. Man wolle sich über den russischen Impfstoff informieren.

Russischer Impfstoff: AfD-Delegation reist nach Moskau

Alice Weidel, Vorsitzende der AfD Bundestagsfraktion, steht in der Nähe des Kremls in Moskaus Zentrum. Foto: Ulf Mauder/dpa

AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel hat bei einem Besuch in Moskau gleiche Chancen für den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V in Deutschland gefordert wie für andere Vakzine auch.

„Wir hoffen, dass jeder Impfstoff, egal woher er kommt, die gleichen Chancen auf eine Zulassung in der EU hat“, sagte Weidel mit Blick auf das Prüfverfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA für Sputnik V. An diesem Donnerstag wollen Weidel und ihre Fraktionskollegen Robby Schlund und Petr Bystron Verantwortliche für den Impfstoff treffen.

Russland warnt immer wieder vor einer politischen Voreingenommenheit gegen seinen Impfstoff wegen zahlreicher Konflikte mit dem Westen. Geplant ist ein Treffen der AfD-Vertreter mit einer Wissenschaftlerin des Moskauer Gamaleja-Forschungszentrums, das Sputnik V entwickelt hat, sowie mit dem Chef des staatlichen Direktinvestmentfonds RDIF, Kirill Dmitrijew, der sich um die internationale Vermarktung des Präparats kümmert. Der Besuch ist nicht im Forschungslabor geplant.

Die AfD-Politiker wollen sich dem Vernehmen nach ein Bild machen vom Kampf gegen das Coronavirus in Russland, sich aber nicht selbst impfen lassen. Freiwillige können sich in der russischen Hauptstadt etwa auch in Einkaufszentren oder in der Oper gegen das Coronavirus impfen lassen. In dem Riesenreich gibt es kaum noch Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Pandemie. Russische Regionen beklagen aber teils einen Mangel an Impfstoff.

Weidel sprach sich nach dem Vorbild anderer Länder dafür aus, eine Zulassung von Sputnik V auf nationaler Ebene in Deutschland zu prüfen, sollte sich das EMA-Verfahren in die Länge ziehen. Nötig sei eine Wahlfreiheit bei Impfstoffen sowie eine Aufklärung über die Beschaffenheit und Wirkungsweisen der Vakzine. „Ich hoffe, dass Sputnik V die gleichen Zulassungschancen hat wie andere Impfstoffe auch“, sagte sie. Weidel wollte am Donnerstag abreisen aus Moskau.

In der EU wird Sputnik ohne EMA-Zulassung schon in Ungarn eingesetzt. Das Präparat ist nach russischen Angaben in fast 50 Ländern zugelassen. RDIF-Chef Dmitrijew hatte zuletzt gesagt, dass Russland vom Sommer an - nach Ende der Massenimpfung im eigenen Land - der EU rund 50 Millionen Dosen seines Impfstoffs zur Verfügung stellen könne. Auch über Produktionsstätten in der EU wird verhandelt.

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow warb dafür, den Impfstoff Sputnik V zu bestellen. „Für mich ist der Sputnik-Impfstoff eine große Chance, wieder schneller zur Normalität zurückzukehren“, sagte der Linken-Politiker der Funke Mediengruppe (Donnerstag). „Ich appelliere an die Bundesregierung, gegenüber der EU deutlich zu machen, dass jetzt bei den Produzenten von Sputnik entsprechende Impfmengen geordert werden sollten.“

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