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Sicherungsverwahrung nach Missbrauch von Kleinkindern

Kriminalität

Dienstag, 12. Oktober 2021 - 15:54 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Gera. Jahrelang hat er seine Freundinnen auf die Suche nach Kleinkindern geschickt, um seine sexuellen Fantasien zu befriedigen. Dabei wurde ein heute 33-Jähriger immer extremer.

Der Angeklagte (r.) in Handschellen im Verhandlungssaal des Landgerichtes Gera. Foto: Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa

Die Details sind verstörend, die Strafe entsprechend hart: Wegen schweren sexuellen Missbrauchs an zwei Babys und einem Kleinkind ist ein 33-Jähriger am Landgericht Gera zu zehneinhalb Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

„Wir haben keine Zweifel an Ihrer Gefährlichkeit“, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag. Der Mann, der das Urteil regungslos entgegennahm, habe seinen sexuellen Hang über Jahre verfestigt und sei dabei immer eine Stufe weiter gegangen.

Für die Zukunft sah das Gericht keine Anzeichen, dass sich das Verhalten des Mannes ändern könnte. Käme er etwa als 40-Jähriger wieder frei, werde seine Libido nicht zurückgegangen sein - „und das macht sie so gefährlich“. Der Mann habe sich immer wieder labile junge Frauen gesucht, die für ihn kleine Kinder besorgen sollten, sagte der Richter weiter. „Sein Motto war: "Ich nehme kleine Kinder, missbrauche die, die können sich nicht erinnern."“

Zunächst habe er seine damalige Freundin dazu gebracht, ihr damals wenige Monate altes Baby zu missbrauchen und ihm davon Videos zu schicken. Mit einer späteren Freundin missbrauchte er gemeinsam das Kind eines ihrer Bekannten. Beide Frauen wurden bereits rechtskräftig verurteilt. Der Mann erhielt für diesen Tatkomplex am Dienstag eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren.

Mit einer 21 Jahre alten Mitangeklagten habe er zudem in der Zeit ihrer Beziehung zwischen 2017 und 2020 deren zu Beginn zweijährige Nichte mehrmals missbraucht. Das Kind habe unter anderem Urin trinken müssen. Zum Schluss sei er allein mit dem Kind in einem Raum gewesen und habe konkrete sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen. Für diesen Tatkomplex verurteilte ihn das Gericht zu sechs Jahren Gefängnis. Die Mitangeklagte erhielt zwei Jahre Haft. Sie sei bei den Taten nicht nur Mitläuferin gewesen, hieß es vom Gericht. Beide saßen schon zuvor in Untersuchungshaft.

Einen „Warnschuss“ in der Zeit, nämlich eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs, die in der Revision aufgehoben wurde, habe der Mann missachtet und weiter gemacht. Richtig ins Rollen kam der Fall dann, nachdem es im Zuge eines anderen Verfahrens gegen den Mann eine Durchsuchung in seiner Wohnung gab. Dabei kam Beweismaterial wie etwa Chatverläufe zutage, die nicht nur ihn, sondern auch die 21-Jährige belasteten. Beide gaben im Zuge des Verfahrens immer mehr Tatvorwürfe zu - allerdings immer erst, wenn die Beweise entsprechend drückend wurden, wie der Richter anmerkte.

Am letzten Prozesstag am Dienstag hatten Anklage und Verteidigung auch ihre Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten. Über die geforderten Strafmaße wurde nichts bekannt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Anwalt des 33-Jährigen bezeichnete das Urteil als hart, aber im Rahmen des Möglichen. Noch sei nicht entschieden, ob er in Revision gehen will.

© dpa-infocom, dpa:211012-99-571080/2

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