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In- und Ausland

Siemens und Alstom besiegeln Fusionspläne für Bahngeschäft

Elektro

Freitag, 23. März 2018 - 19:11 Uhr

von Von Christine Schultze, dpa

dpa München/Paris. Die deutsch-französische Zug-Ehe von Siemens und Alstom ist in der Spur. Nach Einschätzung von Branchenkennern wächst die Dringlichkeit für den Zusammenschluss. Denn die Konkurrenz aus Fernost holt auf.

Vertreter im Europäischen Betriebsrat von Alstom hatten gegen die Fusionspläne gestimmt. Foto: Etienne Laurent

Siemens und der französische Konkurrent Alstom treiben ihre geplante Zug-Allianz weiter voran. Am Freitag unterzeichneten die Unternehmen das sogenannte Business Combination Agreement, in dem die Details der im Herbst vergangenen Jahres bekanntgegebenen Pläne geregelt werden.

Siemens und Alstom wollen mit der Fusion vor allem der neuen starken Konkurrenz aus China Paroli bieten. Die Kartellbehörden müssen dem Zusammenschluss allerdings noch zustimmen.

Darüber hinaus wurde die Spitze des künftigen Verwaltungsrates von Siemens Alstom nominiert: Vorsitzender des Gremiums soll der für die Mobilitätssparte zuständige Siemens-Vorstand Roland Busch werden. Als sein Stellvertreter wurde der französische Industriemanager Yann Delabrière nominiert, der dem Alstom-Verwaltungsrat bereits angehört. Auch die Nominierungen gelten vorbehaltlich der Zustimmung der Alstom-Aktionäre sowie der Genehmigung der Allianz durch die Behörden.

„Siemens Alstom hat alle Voraussetzungen für eine europäische Erfolgsgeschichte“, erklärte Busch. Bereits seit einigen Jahren mischt der neue Zug-Riese CRRC aus China im weltweiten Wettlauf um Bahnaufträge kräftig mit. Das Bahngeschäft ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum chinesischen Staatsziel, bis 2025 in allen Schlüsseltechnologien zum Westen aufzuschließen. Der Hersteller aus dem Reich der Mitte ist alleine etwa doppelt so groß wie das neue kombinierte Unternehmen Siemens/Alstom, das auf gut 15 Milliarden Euro Umsatz und weltweit rund 62.300 Beschäftigte kommt.

Vor allem in Asien und Afrika, aber auch in Süd- und Nordamerika sowie einigen Ländern Südosteuropas konnte der Zug-Riese, der aus dem Zusammenschluss der zwei größten chinesischen Bahnunternehmen hervorgegangen war, bereits zahlreiche Bestellungen an Land ziehen - von Hochgeschwindigkeits- bis zu Metrozügen. Auch Richtung Westeuropa strecken die Chinesen bereits die Fühler aus und unterhalten unter anderem ein Vertriebsbüro in Wien.

Bei den europäischen Bahnherstellern pocht man bereits seit einiger Zeit auf faire und gleiche Wettbewerbsbedingungen. Die Chinesen böten ihre Produkte teils zu nicht kostendeckenden Preisen inklusive zinsgünstiger Milliarden-Finanzierungen an, heißt es. Aus Europa hingegen könnten nach China selbst keine vollständigen Fahrzeuge oder Großkomponenten geliefert werden. Um ein gleiches Spielfeld zu schaffen, wünscht man sich in der europäischen Branche auch mehr politische Unterstützung.

Für ihre Fusionspläne hatten Alstom und Siemens aus Berlin und Paris Rückendeckung bekommen. Mit der EU-Kommission, die die Pläne unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten prüft, führe man derzeit „einen sehr konstruktiven Dialog“, sagte ein Siemens-Sprecher. Auch nach dem Zusammenschluss dürfte der Wettbewerb intensiv bleiben, zumal auch kleinere Spieler wie die spanischen Anbieter Patentes Talgo und CAF oder das Schweizer Unternehmen Stadler erfolgreich am Markt unterwegs seien, heißt es in der Branche.

Französische Gewerkschafter dagegen sehen die Fusionspläne kritisch, unter anderem wegen möglicher Jobverluste, und auch französische und belgische Vertreter im Europäischen Betriebsrat von Alstom hatten dagegen gestimmt - was allerdings keine aufschiebende Wirkung für den Zusammenschluss hat. Bei Siemens heißt es dazu, man nehme die Sorgen der Mitarbeiter ernst. Es gehe hier aber nicht darum, durch Personalabbau Kosten zu senken. Vielmehr ziele die Fusion darauf, die Chancen in einem jährlich um etwa drei bis vier Prozent wachsenden Markt gemeinsam zu nutzen.

Spätestens ab 2022 soll die Fusion Synergieeffekte von 470 Millionen Euro pro Jahr bringen, wie Siemens bereits angekündigt hatte. Der deutsche Konzern hatte sich im Zuge der Fusionsentscheidung mit Arbeitnehmervertretern auf vierjährige Standort- und Jobgarantien, auf den Erhalt der Mitbestimmung und die Absicherung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Deutschland und Frankreich geeinigt. In vielen Bereichen ergänzten sich die beiden Unternehmen, es gebe aber auch Doppelarbeit, die man künftig vermeiden wolle, verlautete aus Unternehmenskreisen. Einsparpotenziale böten sich zudem beispielsweise im Einkauf.

Spekulationen um angebliche Misstöne zwischen Managern von Siemens und Alstom war Vorstand Busch bereits entgegentreten. Er und Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge, der auch das zusammengeschlossene Unternehmen führen wird, hätten „ein sehr gutes Verhältnis und gemeinsames Verständnis“, sagte Busch in einem internen Interview, das im Intranet von Siemens veröffentlicht worden war. „Wir diskutieren intensiv - aber stets konstruktiv - um die beste Lösung für unsere Mitarbeiter und Kunden zu finden.“ Klar sei aber auch: Bis zum Vollzug der Transaktion seien beide Unternehmen Wettbewerber im Markt.

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