In- und Ausland

Spahn und RKI: Indische Variante im Blick

Gesundheit

Freitag, 23. April 2021 - 12:44 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Indien bricht erneut Rekorde bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Eine neue Variante aus dem bevölkerungsreichen Land bereitet derweil auch den Experten in Deutschland Sorge.

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, beantwortet vor der Bundespressekonferenz Fragen von Journalisten zu weiteren Entwicklungen in der Corona-Pandemie. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Die indische Corona-Variante ist nach den Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Deutschland fachlich und politisch im Blick.

Bei „entsprechender Erkenntnislage“ seien Maßnahmen wie die Einstufung Indiens und möglicherweise anderer Länder als Virusvariantengebiet nicht ausgeschlossen, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Er verwies auch auf die engen Bande zwischen Indien und Großbritannien. Als Virusvariantengebiet sind derzeit unter anderem Südafrika und Brasilien ausgewiesen, wo jeweils als besorgniserregend eingestufte Varianten des Coronavirus kursieren.

RKI-Vizechef Lars Schaade sagte, es sei denkbar, „dass uns die Variante vor neue Herausforderungen stellt“. Aber die Belege seien noch nicht da. „Wir müssen da hinschauen, Warnungen müssen ernst genommen werden.“ Es gehe auch darum, die weitere Einschleppung der Variante nach Deutschland zu vermeiden. Die Zahl der bisherigen Nachweise liegt bei 21, wie das RKI bereits in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht geschrieben hatte. „Wir sehen im Moment noch keine Tendenz zur großen Verbreitung innerhalb von Deutschland. Aber wir haben das im Blick“, betonte Schaade.

Die Mutante werde als „Doppelvariante“ bezeichnet, weil es zwei besondere Mutationen im sogenannten Spike-Protein gebe, führte Schaade aus. Es werde vermutet, dass eine dieser Mutationen die Antikörper-Antwort etwas unterlaufe und die andere Mutation den zweiten Arm der Immunantwort. Das sei eine Theorie vor dem Hintergrund von Beobachtungen bei anderen Varianten mit solchen Mutationen. Das sei aber nicht belegt, es gebe dazu keine gesicherten Daten.

Das Infektionsgeschehen in Indien sei derzeit sehr stark, die Mutante sei dabei in einigen, aber nicht allen Landesteilen verbreitet, sagte Schaade. Man könne aber nicht verkürzt sagen, die Variante habe die Lage allein verursacht. „Es gibt noch andere Faktoren im Moment in Indien, die deutlich zur Infektionsdynamik beitragen.“ Es gebe keinen Lockdown, große Veranstaltungen mit vielen Millionen Menschen könnten stattfinden, was Infektionen begünstige.

Man könne jetzt noch nicht sagen, dass sich die Mutante besonders stark verbreite und dass es eine sogenannte Immunescape-Variante sei. „Beides sind Möglichkeiten, deswegen haben wir diese Variante auch unter Beobachtung.“ Als besorgniserregende Variante werde sie mangels Belegen noch nicht eingestuft. Bei Varianten mit Immunescape (Immunflucht) ist die Wirkung der Impfung und der Immunität nach durchgemachter Infektion abgeschwächt.

© dpa-infocom, dpa:210423-99-323282/2

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