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Trotz Kritik aus Russland: Militärübung im Schwarzen Meer

Militär

Montag, 28. Juni 2021 - 04:26 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Odessa/Washington. Seit mehr als 20 Jahren halten die USA und ihre Verbündeten im Schwarzen Meer ein Manöver ab. Diesmal soll die Übung besonders groß ausfallen. Wie reagiert Moskau darauf?

Aus Moskauer Sicht war der die „HMS Defender“ nahe der Krim in russisches Hoheitsgewässer gefahren. Foto: Vasil Gedenidze/British Embassy in Georgia/AP/dpa

Wenige Tage nach einem Zwischenfall mit einem britschen Kriegsschiff im Schwarzen Meer beginnt dort heute ein internationales Manöver - trotz heftiger Kritik aus Russland.

An der Militärübung „Sea Breeze“ (Meeresbrise), die von den USA und der Ukraine geführt wird, werden sich Tausende Soldaten sowie Dutzende Schiffe und Flugzeuge aus insgesamt 32 Ländern beteiligen. Das Manöver solle etwa zwei Wochen dauern, teilte das US-Militär mit.

Nach Vorfall nahe Krim: Russland sieht Provokation

Nach Angaben der US Navy ist die diesjährige Übung im Schwarzen Meer, die seit 1997 regelmäßig abgehalten wird, die bislang größte dieser Art. Moskau empfindet dies vor eigenem Territorium als Provokation und forderte Washington deshalb auf, darauf zu verzichten.

Kurz nach dem Appell an die USA war es am vergangenen Mittwoch nahe der von Russland einverleibten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu einem Vorfall gekommen. Nach Angaben aus Moskau drängte die russische Küstenwache den britischen Zerstörer „HMS Defender“ mit Warnschüssen und Bombenabwürfen aus den eigenen Gewässern. Britische Medienberichte stützen diese Angaben teilweise, betonen aber, das Schiff habe Kurs gehalten.

Die Regierung in London hatte hingegen von einer russischen Militärübung gesprochen, die nicht der „Defender“ gegolten habe. Nach Darstellung Moskaus war das britische Kriegsschiff drei Kilometer in russisches Gebiet eingedrungen. Die Briten hatten argumentiert, es habe sich lediglich um eine „harmlose Durchfahrt“ durch ukrainische Gewässer gehandelt. Die Einverleibung der Halbinsel Krim 2014 durch Russland wird international als illegal eingestuft.

Russische Marine überwacht Übung

Moskau wird nun wohl genau beobachten, wenn bei der Übung „Sea Breeze“ 5000 Soldaten, 32 Schiffe und 40 Flugzeuge im Schwarzen Meer gemeinsam trainieren. Bereits am Samstag überwachte die russische Marine den US-Zerstörer „USS Ross“, als dieser im Schwarzen Meer einlief, wie die Agentur Interfax unter der Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau meldete.

Die US Navy hatte zum Abschluss der Übung im vergangenen Sommer erklärt, das Schwarze Meer sei eine wesentliche Wasserstraße, die für den Seehandel und die Sicherheit in ganz Europa von entscheidender Bedeutung sei. Daher beteiligten sich regelmäßig auch Nato-Staaten jenseits der unmittelbaren Schwarzmeer-Region. Es sei im Interesse der Welt, „eine stabile, wohlhabende Schwarzmeer-Region zu erhalten und aggressive Akteure abzuschrecken, die zu ihrem eigenen Vorteil eine Destabilisierung anstreben“.

Russland hatte sich bereits mit deutlichen Worten an die USA gewandt: „Das Ausmaß und die offensichtlich aggressive Art der militärischen Übungen entsprechen in keiner Weise den tatsächlichen Sicherheitsbedürfnissen in der Schwarzmeer-Region“, hieß es. Die Sprecherin von Außenminister Sergej Lawrow, Maria Sacharowa, nannte die Übung eine Provokation, die auch zum Ziel habe, Waffen und militärische Ausrüstung in die Ukraine zu bringen.

Beziehung zwischen Moskau und Westen bleibt angespannt

Zwischen Moskau und dem Westen ist der Ton ohnehin seit dem Frühjahr noch einmal schärfer geworden. Im April hatten russische und ukrainische Truppenaufmärsche entlang des Konfliktgebiets Ostukraine Sorge ausgelöst, dass der seit knapp Jahren andauernde Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erneut eskalieren könnte.

Seit etwa sieben Jahren werden Teile der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk entlang der russischen Grenze von moskautreuen Aufständischen kontrolliert. Nach UN-Schätzungen sind seit Ausbruch des Konflikts 2014 mehr als 13.000 Menschen getötet worden. Ein 2015 vereinbarter Friedensplan unter deutscher und französischer Beteiligung liegt auf Eis.

© dpa-infocom, dpa:210628-99-167634/4

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