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Turbulente Hauptversammlung bei Thyssenkrupp

Stahl

Freitag, 19. Januar 2018 - 14:01 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Bochum. Nachdem Großinvestor Cevian schon mit Zerschlagungsforderungen für Zündstoff gesorgt hatte, wurde die Strategie von Thyssenkrupp auch auf der Hauptversammlung harsch kritisiert. Für Vorstandschef Hiesinger gab es aber auch Rückendeckung.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat seinen Kurs auf der Hauptversammlung gegen massive Kritik verteidigt. Foto: Bernd Thissen

Sieben Jahre nach Amtsantritt hat Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger seinen Kurs vor den Aktionären gegen massive Kritik verteidigt. Gleichzeitig fand er aber auf der Hauptversammlung in Bochum auch Unterstützung für eine Fortsetzung seiner Strategie.

Bereits im Vorfeld des Treffens hatte vor allem der schwedische Großaktionär Cevian mit einer Forderung nach einer raschen Zerschlagung des Konzerns für Zündstoff gesorgt. Aktionärssprecher kritisierten dagegen Cevian als „schlimme, eklige Heuschrecke“ und beklagten eine Verunsicherung von Anteilseignern, Beschäftigten und Kunden des Unternehmens.

Mehrere Aktionäre forderten jedoch auch einen schnelleren Modernisierungskurs. „Thyssenkrupp muss endlich aufwachen, denn aus Sicht des Kapitalmarkts ist das Unternehmen immer noch ein träger Riese, ja ein Dinosaurier...“, kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Er forderte von Hiesinger mehr Mut zu Veränderung auch gegen Widerstände. „Wenn Sie es allen recht machen wollen, können Sie das Unternehmen nicht voranbringen“, sagte Speich.

Hiesinger sprach sich mit Nachdruck für einen Erhalt des Konzerns als Ganzes aus: „Mit unserer strategischen Weiterentwicklung sind wir angetreten, die Geschäfte von Thyssenkrupp zukunftsfähig zu machen. Gleichzeitig wollen wir die Größe und die Gemeinschaftsvorteile nutzen, um jedes einzelne Geschäft profitabler zu machen“, sagte er.

Bereits vor dem Aktionärstreffen hatte sich Hiesinger einen Schlagabtausch mit Cevian geliefert. Der mit einem Anteil von rund 18 Prozent zweitgrößte Thyssenkrupp-Aktionär hatte nicht nur eine zügige Zerschlagung des Konzerns gefordert, sondern auch die Renditeziele scharf kritisiert. In seiner Rede vor den Aktionären wies Hiesinger nun auf eine langfristige Strategie und ein „verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln“ hin.

Die Führung von Thyssenkrupp als integrierten Konzern schließe jedoch Veränderungen in der Zusammensetzung nicht aus, betonte Hiesinger. „Ganz im Gegenteil: Vor sechs Jahren hatte Thyssenkrupp acht Geschäftsbereiche, heute sind es fünf, mit Gründung des Joint Ventures (mit dem indischen Konzern Tata) werden es vier sein“, sagte er. Thyssenkrupp will seine Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Tata einbringen. Das Geschäft soll bis Jahresende abgeschlossen sein und Tausende Jobs kosten. Bei den Vorbereitungen des Projekts sei man im Plan, sagte Hiesinger.

Der Konzernchef zeigte sich zuversichtlich, dass die Beschäftigten einem Tarifvertrag zur Stahlfusion zustimmen. Thyssenkrupp werde danach „natürlich anders aussehen“, sagte Hiesinger. Der Konzern werde sich stärker auf Industriegeschäfte konzentrieren. „Wie genau wir das angehen, wird Teil unseres jährlichen Strategiedialogs von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai sein.“


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