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UN fordert mehr Schutz für Zivilisten in Afghanistan

Konflikte

Dienstag, 3. August 2021 - 10:03 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Kabul. Der Rückzug der internationalen Truppen aus Afghanistan bleibt nicht ohne Folgen. Zivilisten fürchten um ihr Leben. Die Vereinten Nationen befürchten „katastrophale“ Folgen.

Seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan ist die Zahl der Binnenflüchtlinge in dem Krisenland deutlich gestiegen. Zivilisten fürchten um ihr Leben. Foto: Kawa Basharat/XinHua/dpa

Die Vereinten Nationen haben die Kriegsparteien in Afghanistan dazu aufgerufen, Zivilisten besser zu schützen.

Die Bodenoffensive der militant-islamistischen Taliban und Luftangriffe der afghanischen Luftwaffe verursachten momentan den größten Schaden, teilte die UN-Mission in Afghanistan (Unama) am Dienstag auf Twitter mit. Sollten die Parteien nicht mehr für den Zivilschutz tun, drohten „katastrophale“ Auswirkungen.

Gefechte verlagern sich in die Städte

Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen haben die Taliban mehrere Offensiven gestartet und dabei bedeutende Gebietsgewinne vor allem im ländlichen Raum erzielt. Aktuell verlagern sich die Gefechte zunehmend in die Städte. Schwere Kämpfe gibt es etwa im Herat im Westen sowie in Kandahar und Laschkargah im Süden.

Ein Vertreter des Provinzkrankenhauses in Herat sagte, binnen sechs Tagen seien 24 Tote und fast 200 Verletzte eingeliefert worden, ein Teil davon Sicherheitskräfte. In Kandahar seien binnen zehn Tagen 28 Zivilisten getötet und 191 verletzt worden, sagte ein lokaler Behördenvertreter. Einem Krankenhaus in Laschkargah zufolge wurden binnen vier Tagen 14 Tote und 64 Verletzte eingeliefert.

Rekordzahlen im Mai und Juni von Verletzten und Toten

Die UN hatten im Mai und Juni Rekordwerte verwundeter und getöteter Zivilisten dokumentiert und davor gewarnt, dass 2021 zum Jahr mit der höchsten Zahl an zivilen Opfern werden könnte.

In der Stadt Dschalalabad im Osten des Landes wurde ein ehemaliger Übersetzer des US-Militärs getötet. Der Mann, der zuletzt den Provinzrat von Nangarhar in juristischen Fragen beriet, sei am Montag vor seinem Haus von zwei Unbekannten erschossen worden, teilten lokale Behördenvertreter am Dienstag mit.

Dem gut vernetzten Journalisten Bilal Sarwari zufolge habe der Vater von vier Kindern versucht, in die USA zu übersiedeln. Die USA nehmen aktuell Zehntausende ehemalige Mitarbeiter des US-Militärs und anderer US-Einrichtungen mit ihren Familienmitgliedern aus Sorge vor Racheakten der Taliban auf.

© dpa-infocom, dpa:210803-99-679783/4

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