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USA erkennen Massaker an Armeniern als Völkermord an

Geschichte

Samstag, 24. April 2021 - 18:46 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Washington. Ankara hatte Washington vor diesem Schritt gewarnt. Doch für US-Präsident Biden war es die Einlösung eines Versprechens: Die USA haben die Gräueltasten an Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord anerkannt.

Mit der Anerkennung der Massaker als Völkermord hat Biden ein Wahlkampfversprechen eingelöst. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

Trotz Warnungen der Türkei hat US-Präsident Joe Biden die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkannt.

„Das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind“, hieß es in einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung Bidens zum Gedenktag an die Massaker am Samstag. Im Wahlkampf hatte Biden eine Anerkennung der Massaker an den Armeniern als Völkermord versprochen. Die Regierung in Ankara hatte die US-Regierung vor einem solchen Schritt gewarnt.

Bereits 2019 hatte der US-Kongress die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anerkannt. Die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump betonte anschließend, die rechtlich nicht bindende Resolution ändere nichts an der Haltung der US-Regierung. Trump hatte „von einer der schlimmsten Massen-Gräueltaten des 20. Jahrhunderts“ gesprochen, das Wort Völkermord aber - wie andere US-Präsidenten auch - vermieden.

Zuvor hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris der Massaker an Armeniern gedacht. „Das französische Volk und das armenische Volk sind für immer verbunden“, teilte der 43-Jährige am Samstag via Twitter mit. Auf Bildern war der Staatschef anlässlich des „Gedenktags für den armenischen Genozid“ beim Mahnmal im Zentrum der französischen Hauptstadt zu sehen.

Macron hatte vor rund zwei Jahren angekündigt, den 24. April zu einem nationalen Gedenktag zu machen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, war es nun das erste Mal, dass er am Gedenktag an einer offiziellen Feier teilnahm.

Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden. Schätzungen zufolge kamen 1915/1916 im damaligen Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier ums Leben. Die Südkaukasusrepublik Armenien fordert seit langem von der Türkei, dem Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches, die Gräueltaten als Genozid anzuerkennen. Die Türkei hält die Zahlen für überzogen und lehnt die Einstufung als Völkermord vehement ab.

© dpa-infocom, dpa:210424-99-338670/2

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