Venedig testet umstrittene Hochwasserschutz-Anlage

dpa Venedig. Seit Jahren wird gebaut, aber Korruptionsskandale erschwerten das Projekt, eine Flutschutzanlage für Venedig zu errichten, immer wieder. Jetzt laufen erste Tests - aber Umweltschützer haben Bedenken.

Venedig testet umstrittene Hochwasserschutz-Anlage

Ein Arbeiter steht auf einer Baustelle des Mose-Projekts. Foto: Antonio Calanni/AP/dpa

Venedig hat erstmals eine umstrittene Flutschutzanlage umfassend getestet. Dabei wurden alle Barrieren des Hochwasserschutzprojekts „Mose“ ausgefahren, die die Lagunenstadt künftig vor verheerenden Überschwemmungen schützen sollen.

Fälle von Korruption und Kriminalität hätten in der Vergangenheit das Projekt überschattet, sagte Regierungschef Giuseppe Conte in Venedig, als er den Test eröffnete. „Lasst uns alle auf das Ziel konzentrieren: Wir sollten alle hoffen, dass es funktioniert.“

„Mose“ ist seit Jahrzehnten in Planung, vor rund 17 Jahren erfolgte der erste Spatenstich. Bürokratie, Korruptionsskandale und unterschiedliche politische und wirtschaftliche Interessen hatten das Mammut-Projekt immer wieder verzögert. Es soll nun Ende 2021 endgültig fertig werden und rund sechs Milliarden Euro kosten. Aber schon diesen Herbst sollte es die Unesco-Stadt vor Hochwasser schützen, sagte Conte.

Venedig wird vor allem in den Herbst- und Wintermonaten immer wieder von Hochwasser überflutet. Vergangenes Jahr im November hatte eine Rekordflut verheerende Schäden angerichtet und den Tourismus zum Erliegen gebracht. Danach hatten Politiker versprochen, dass „Mose“ nun wirklich schnell fertig werde. Allerdings haben viele Bewohner Venedigs und Umweltschützer Zweifel am Nutzen des Projekts. Sie befürchten, dass die unterirdische Anlage, bei der Barrieren an drei Laguneneingängen ausgefahren werden können, das Ökosystem der Lagune weiter gefährdet und schon jetzt veraltet ist. Auch am Freitag demonstrierten Aktivisten gegen das Projekt.

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