Vernehmungen des mutmaßlichen Lübcke-Mörders teils online

dpa Frankfurt/Main. Seit Juni muss sich der mutmaßliche Haupttäter im Lübcke-Mordfall vor Gericht verantworten. In einem öffentlich-rechtlichen Reportageformat tauchen nun Teile seiner polizeilichen Vernehmung auf.

Vernehmungen des mutmaßlichen Lübcke-Mörders teils online

Auf Youtube sind Ausschnitte der Vernehmung des mutmaßlichen Lübcke-Mörders aufgetaucht. Foto: Boris Roessler/dpa

Ausschnitte aus Vernehmungsvideos des mutmaßlichen Mörders von Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke sind auf Youtube veröffentlicht worden. Der moderierte Beitrag stammt vom Reportageformat „STRG_F“ von „funk.net“, dem Online-Angebot für junge Menschen von ARD und ZDF.

In dem gut 25 Minuten langen Video werden seit Dienstagnachmittag kommentiert Ausschnitte gezeigt, in denen der wegen Mordes angeklagte Stephan Ernst sein mittlerweile zurückgezogenes Geständnis ablegt und schildert, wie die Tat geschehen sein soll.

Auch Schlüsselausschnitte anderer polizeilicher Vernehmungsvideos, in denen Ernst von einem „Unfall“ spricht, bei dem sich der tödliche Schuss versehentlich gelöst habe, sind darin zu sehen. Die Autoren geben in dem Bericht an, das Material sei ihnen zugespielt worden.

Ernst muss sich seit Juni vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt verantworten. In der Hauptverhandlung waren jeweils mehrstündige Videos von Vernehmungen Ernsts durch Beamte des hessischen Landeskriminalamts (LKA) gezeigt worden.

Eine Gerichtssprecherin sagte heute, der Senat und die Verfahrensbeteiligten seien über das Video informiert. „Wir gehen angesichts der Qualität der Aufnahmen davon aus, dass es sich um keinen Mitschnitt handelt.“ Rechtlich spiele die Veröffentlichung des Materials für den laufenden Prozess keine Rolle, da das Material bereits in die Hauptverhandlung eingebracht worden sei. Es sei nichts in die Öffentlichkeit gelangt, was nicht bereits Inhalt der öffentlichen Verhandlung gewesen sei.

Dieses Argument hatten auch die Autoren des Videoberichts angeführt. „Wir veröffentlichen die Vernehmungsvideos, denn es sind Dokumente der Zeitgeschichte“, sagten sie in dem Bericht.

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