In- und Ausland

Wäldern geht es so schlecht wie noch nie

Klima

Mittwoch, 24. Februar 2021 - 14:23 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Klimawandel, Sturmschäden, Trockenheit - und der Borkenkäfer. Den Wäldern in Deutschland geht es ausgesprochen schlecht. Vor allem ältere Bäume sind bedroht, wie ein aktueller Bericht aufzeigt.

Umgestürzte Bäume und Totholz in einem Mischwaldbestand mit Kiefern liegen im Revier Müggelsee im Bezirk Köpenick am Rand eines Waldweges. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Im vergangenen Jahr ist es den Bäumen in Deutschland so schlecht ergangen wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Das geht aus dem aktuellen Bericht zum Zustand der Wälder hervor, den Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Demnach haben Sturmschäden, Dürre und Schädlinge - allen voran der Borkenkäfer - dem Wald im Jahr 2020 schwer zugesetzt. In den Jahren 2019 und 2020 sei die Sterberate der Bäume im Vergleich zu den Vorjahren „deutlich höher geworden“. Vor allem ältere Bäume über 60 Jahre seien vom Absterben bedroht, heißt es in dem Bericht. Derzeit betrage die Fläche, die potenziell wieder aufgeforstet werden müsste, 277.000 Hektar. „Jeden Baum, den wir heute nicht nachziehen, der fehlt der kommenden Generation“, erklärte Klöckner. Die aktuelle Schadholzmenge beläuft sich demnach auf 171 Millionen Kubikmeter.

Dem Bericht zufolge nimmt auch die Verlichtung der Baumkronen immer weiter zu - also der Verlust von Nadeln und Blättern. Demnach wiesen im vergangenen Jahr vier von fünf Bäumen lichte Kronen auf. Das betraf 89 Prozent der Buchen, 80 Prozent der Eichen und Kiefern sowie 79 Prozent der Fichten. „Die Waldzustandserhebung zeigt: Unsere Wälder sind krank“, bilanzierte die Ministerin.

Der Klimawandel habe einen großen Schaden angerichtet, nun gehe es darum, den Wald nachhaltig wiederzubewalden, sagte Klöckner. Dafür stünden Waldbesitzern und Forstwirten derzeit 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Ein Teil des Geldes - 800 Millionen Euro - war bereits im Jahr 2019 als Bund-Länder-Paket auf den Weg gebracht worden. 2020 sei aus diesem Topf mehr Geld beantragt worden, als vorgesehen war, sagte Klöckner.

Umweltverbände schlugen am Mittwoch angesichts der Befunde Alarm. Greenpeace beklagte, dass sich an der Waldbewirtschaftung nichts geändert habe und immer noch zu viele Flächen „kahlgeschlagen“ würden. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte die Bundesregierung auf, „endlich wirksame Klimaschutzmaßnahmen“ zu ergreifen, um dem Waldsterben Einhalt zu gebieten.

Zuvor hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) die Waldbesitzer ermahnt, die Finanzhilfen der Bundesregierung in nachhaltige Bewirtschaftung zu investieren. Klöckner verteidigte die Branche und sagte, dass die Waldbauern schon sehr genau wüssten, was zu tun sei. Sie hätten im Zweifelsfall auch „mehr Ahnung als eine Ministerin“, sagte Klöckner.

© dpa-infocom, dpa:210224-99-574314/2

Julia Klöckner (CSU), Bundeslandwirtschaftsministerin, stellt vor der Bundespressekonferenz den Waldzustandsberichts 2020 vor. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Ihr Kommentar zum Thema

Wäldern geht es so schlecht wie noch nie

Verbleibende Zeichen:

Regeln fürs Kommentieren

Bitte bleiben Sie fair und sachlich. Schreiben Sie keine Kommentare, die Beleidigungen, Verleumdungen oder falsche Tatsachenbehauptungen enthalten. Beiträge, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht (siehe Netiquette).

Bitte beachten Sie, dass Ihr Kommentar unter Ihrem echten Namen veröffentlicht wird!


captcha