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In- und Ausland

Wieder mehr Freiheiten im Kreis Gütersloh

Gesundheit

Dienstag, 7. Juli 2020 - 04:21 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Gütersloh. Die Einschränkungen für die Menschen im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh sind aufgehoben. Ein Gericht hat die Anordnung der Landesregierung gekippt.

„Ich freue mich für die Bürgerinnen und Bürger im Kreis, wir haben jetzt wieder ein Stück mehr Freiheit“, sagt Sven-Georg Adenauer. Foto: Federico Gambarini/dpa

Das vorgezogene Ende der strengen Corona-Beschränkungen im Kreis Gütersloh ist dort mit Erleichterung aufgenommen worden.

„Ich freue mich für die Bürgerinnen und Bürger im Kreis, wir haben jetzt wieder ein Stück mehr Freiheit“, erklärte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). „Der Lockdown war eine Belastung, jetzt ist endlich die Stigmatisierung vorbei.“

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte für den Kreis Gütersloh infolge des massiven Corona-Ausbruchs in einem Werk des Schlachtunternehmens Tönnies Einschränkungen des öffentlichen Lebens verhängt. Doch am Montag kippte das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Bundeslandes die regionale Corona-Schutzverordnung.

Die Richter bewerteten die Regeln für den gesamten Kreis angesichts deutlich gesunkener Werte als nicht mehr verhältnismäßig. Das Land hätte nach einer ersten Verlängerung differenzierte Regelungen finden müssen. Auslaufen sollte die Verordnung ursprünglich in der Nacht zum Mittwoch um Mitternacht.

Die Landesregierung will nach der gerichtlichen Aufhebung der strengen Corona-Auflagen für den Kreis Gütersloh keine gesonderten neuen Maßnahmen verfügen - auch nicht für einzelne Gemeinden. Das machte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) deutlich. Es sei nicht zu einem Übertritt der Infektionen auf die übrige Bevölkerung des Kreises Gütersloh gekommen. Vor diesem Hintergrund erwartet die Landesregierung von NRW eigenen Angaben zufolge, „dass nunmehr auch alle Beherbergungsverbote in Urlaubsorten aufgehoben werden“.

Die bundesweit ersten regionalen Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erfolgten nach einem massiven Virus-Ausbruch im Tönnies-Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück mit über 1000 infizierten Mitarbeitern. Sie galten zeitweise auch für den benachbarten Kreis Warendorf, in dem ebenfalls viele Mitarbeiter des Werkes wohnen.

Im öffentlichen Raum durften sich demnach nur noch zwei Menschen oder Menschen aus einem Familien- oder Haushaltsverbund treffen. Eine Reihe von Freizeitaktivitäten sollten unterbleiben. Museen, Kinos, Fitnessstudios und Hallenschwimmbäder mussten geschlossen bleiben. Vertreter der Kreise sprachen allerdings von einem „Lockdown light“, da Geschäfte und Restaurants weiterhin öffnen durften.

Die Kitas im Kreis Gütersloh können erst ab Mittwoch wieder wie die in anderen Teilen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes öffnen, teilte die Kreisverwaltung mit. Die vom Kreis verfügte Schließung der Kitas sei nicht berührt von der Aussetzung des Lockdowns durch das Oberverwaltungsgericht. Sie laufe am Dienstag aus. Deshalb könne der eingeschränkte Regelbetrieb ab Mittwoch wieder aufgenommen werden. Es habe in den vergangenen Wochen einen Notbetrieb in Kitas gegeben. Der Kreis hatte auch die Schulen kurz vor Ferienbeginn geschlossen.

Das OVG-Urteil hat nach Angaben des Kreises auch keine Auswirkungen auf die unterbrochene Produktion bei Tönnies im Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück. „Mit dem Unternehmen sind wir in konstruktiven Gesprächen und eines ist sicher: Einen Neustart gibt es erst, wenn alles sicher ist, die Firma Tönnies muss die neuen Konzepte nach den Vorgaben der Behörden umsetzen“, sagte Landrat Adenauer laut Mitteilung.

Neben den regionalen Einschränkungen setzten die Behörden in NRW auf umfangreiche Tests in den beiden Kreisen, bei denen unter anderem auch die Bundeswehr half. Viele Menschen, die in den Urlaub fahren wollten, standen stundenlang Schlange, um ein Testergebnis wegen möglicher Vorgaben in einigen deutschen Urlaubsregionen vorweisen zu können. Die Bundesländer einigten sich dann auf ein einheitliches Vorgehen. Die Sommerferien begannen in NRW bereits Ende Juni.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag im Kreis Gütersloh am Montag mit 50,5 nur noch knapp über dem Grenzwert von 50. Oberhalb dieser Schwelle kommen nach den Absprachen von Bund und Ländern regionale Einschränkungen zum Schutz der Bevölkerung in Betracht. Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei Tönnies lag der Wert im Kreis Gütersloh vor zwei Wochen bei 270,2.

© dpa-infocom, dpa:200707-99-697591/2

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