In- und Ausland

Wirtschaft rechnet vorerst nicht mit Trendwende

Industrie

Freitag, 27. Dezember 2019 - 06:58 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Handelskonflikte, Brexit, schwächere Weltwirtschaft - das Jahr 2019 war für viele Unternehmen nicht leicht. Vor allem die exportstarke Industrie hat es getroffen. Spitzenverbände der Wirtschaft geben keine Entwarnung fürs neue Jahr.

Ein Arbeiter baut in einem Werk ein Getriebe zusammen. Laut Industriepräsident Dieter Kempf bleibt die Lage besonders für die Industrie „schwierig“. Foto: Felix Kästle/dpa

Die deutsche Wirtschaft rechnet nach der Abkühlung der Konjunktur in Deutschland vorerst nicht mit einer grundlegenden Trendwende.

„Die Lage besonders für die Industrie bleibt schwierig“, sagte Industriepräsident Dieter Kempf der Deutschen Presse-Agentur. „Wir befinden uns im Abschwung, eine Bodenbildung ist noch nicht in Sicht.“

DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte, zwar habe sich die Stimmung zuletzt wieder leicht verbessert. „Aber die konkreten Rückmeldungen aus vielen Unternehmen ergeben weiterhin vor allem den Rückschluss: 2020 wird für die deutsche Wirtschaft ein herausforderndes Jahr.“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet kalenderbereinigt mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 0,5 Prozent im kommenden Jahr - das aber mehr Arbeitstage hat. „Die Industrie aber ist in einem Abwärtstrend. Der Handelskrieg zum Beispiel zwischen den USA und China ist noch lange nicht vorbei.“, sagte Kempf. „Die einzig gute Nachricht bei alldem ist aus unserer Sicht, dass die trüben Konjunkturaussichten wohl noch keine deutlich negativen Effekte auf das Thema Beschäftigung haben werden.“

Der DIHK rechnet angesichts des Kalendereffekts 2020 mit einem Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent - das Jahr hat vier zusätzliche Arbeitstage. „Es wird sich jetzt in den ersten Monaten des Jahres zeigen, ob und wie viel es noch mehr werden könnte“, sagte Schweitzer.

Das Jahr 2019 sei wirtschaftlich „anspruchsvoll“ gewesen. „Wir kommen für dieses Jahr nur bei 0,4 oder 0,5 Prozent Wachstum heraus. Die Industrie kämpft mit der Rezession, es gibt zunehmend Protektionismus und Handelskonflikte, vor allem zwischen den USA und China.“ Zu allem Überfluss sei nun auch die Welthandelsorganisation (WTO) bei Regelverstößen entscheidungsunfähig. Die USA verhinderten so lange die Ernennung neuer Berufungsrichter für die Streitschlichtung, dass die Instanz nicht mehr funktionsfähig ist. „Dazu kommen die großen Themen des Strukturwandels: Digitalisierung, Energiewende und Fachkräftemangel“, sagte Schweitzer.

Eine gestiegene Stimmung in der deutschen Wirtschaft hatte zuletzt Hoffnung auf eine bessere Konjunktur gemacht. Wie das Münchner Ifo-Institut vor Weihnachten mitgeteilt hatte, stieg das von ihm erhobene Geschäftsklima im Dezember um 1,2 Punkte auf 96,3 Zähler. Das ist der höchste Stand seit einem halben Jahr und der zweite Anstieg in Folge. „Die deutsche Wirtschaft geht zuversichtlicher ins neue Jahr“, hatte Ifo-Präsident Clemens Fuest gesagt.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.