ZEW-Konjunkturerwartungen auf höchstem Stand seit 21 Jahren

dpa Mannheim. Die Fortschritte beim Kampf gegen die Pandemie sorgen für eine überraschend gute Stimmung bei Finanzexperten. Deutlich trister sieht das Bild aber aus, wenn es um die aktuelle Lage geht.

ZEW-Konjunkturerwartungen auf höchstem Stand seit 21 Jahren

Achim Wambach, Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), bei einer Pressekonferenz im Institut. Foto: picture alliance / dpa

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Mai viel stärker als erwartet aufgehellt und den höchsten Wert seit mehr als 21 Jahren erreicht.

Das Stimmungsbarometer stieg gegenüber dem Vormonat um 13,7 Punkte auf 84,4 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Die befragten Experten „rechnen mit einem deutlichen Wirtschaftsaufschwung in den nächsten sechs Monaten“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach das Ergebnis einer Umfrage unter 188 Analysten und institutionellen Anlegern.

Mit dem Anstieg erreichte der ZEW-Konjunkturindikator den höchsten Wert seit Februar 2000. „Das Bremsen der dritten Covid-19-Welle hat die Finanzmarktexpertinnen und Finanzmarktexperten noch optimistischer werden lassen“, sagte Wambach.

Analysten wurden vom Ausmaß des Stimmungsanstiegs überrascht. Sie hatten im Schnitt nur einen leichten Anstieg auf 72,0 Punkte erwartet. Auf dem Devisenmarkt reagierte der Euro mit Gewinnen.

Neben den Erwartungen verbesserte sich auch die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage spürbar, wie es in der ZEW-Mitteilung heißt. Die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage wird aber weiter deutlich negativer betrachtet als die Erwartungen. Der entsprechende Indikator stieg zwar um 8,7 Punkte, liegt aber bei minus 40,1 Punkten. Experten hatten minus 41,6 Punkte erwartet. Der Indikator für die Lagebewertung liegt damit ungefähr auf dem Niveau zu Beginn der Corona-Krise im März 2020.

Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der VP Bank, Thomas Gitzel, deuten die Stimmungsdaten darauf hin, dass jüngste Fortschritte bei den Corona-Impfungen und die zu erwartende Erholung im Bereich Dienstleistungen die Nachschubprobleme bei Materialien in der Industrie überwiegen. Zuletzt hatte unter anderem ein Mangel an Computerchips Teile der deutschen Industrie gebremst.

Experte Patrick Boldt von der Landesbank Hessen-Thüringen erkannte in den Umfragedaten „eine positive Indikation für das Ifo-Geschäftsklima“. Die Veröffentlichung des wichtigsten Indikators für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft wird Ende Mai erwartet.

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