NRW

Abu-Walaa-Prozess zieht sich weiter in die Länge

Prozesse

Montag, 24. September 2018 - 05:51 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Celle. Ein Jahr nach dem Start des Prozesses gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, ist ein Ende weiterhin nicht in Sicht. Weil der Iraker und die vier Mitangeklagten zu den Vorwürfen vor dem Oberlandesgericht Celle schweigen, stützt das Verfahren sich nach wie vor auf Zeugenaussagen. Dafür sind weitere Prozesstermine zunächst bis Weihnachten geplant. Wegen Unterstützung des IS und Mitgliedschaft in der Terrormiliz stehen die fünf seit Ende September vergangenen Jahres vor Gericht. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben.

Der angeklagte Abu Walaa steht im Oberlandesgericht Celle. Foto: Julian Stratenschulte

Bisher haben Eltern im Zeugenstand, nur wenige Meter von den hinter Sicherheitsglas sitzenden Angeklagten entfernt, geschildert, wie ihre Kinder radikalisiert und im Irak zu Selbstmordattentätern wurden. Ein geläuterter IS-Rückkehrer, der als Kronzeuge in dem Verfahren auftritt, berichtete von den Gräueln in Syrien. LKA-Fahnder gaben Einblicke von V-Leuten in das Netzwerk wieder, im dem auch Berlin-Attentäter Anis Amri verkehrte. Vieles untermauert zwar die Anschuldigungen der Anklage. Etliche Angaben aber erwiesen sich als wackelig oder ließen sich nicht gerichtsfest nachweisen.

Bekannt wurde in dem Prozess zuletzt, dass ein Mitangeklagter aus der Haft heraus versucht hat, Zeugen massiv einschüchtern zu lassen. So wurde auf das Haus der Schwester eines Zeugen in Duisburg geschossen. Einem weiteren Zeugen sei über Mittelsmänner klar gemacht worden, im Sinne des Mitangeklagten auszusagen.


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