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Aufarbeitung Krupp-Biografie: Historiker soll Quellen suchen

Industrie

Freitag, 24. Dezember 2021 - 12:26 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Essen. Wegen „Sklavenarbeit“ wurde der letzte Krupp-Alleininhaber Alfried Krupp 1948 in Nürnberg verurteilt. Sein Verhältnis zum Nazi-Regime und seine Schuld werden jetzt in einem Forschungsprojekt unter die Lupe genommen. Die Krupp-Stiftung will einen Historiker beauftragen.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907-1967) schaut in ein Firmenschild (Aufnahme um 1955). Foto: -/Krupp-Stiftung/dpa/Archivbild

Die Krupp-Stiftung ist bei der geplanten Aufarbeitung der Biografie des Stiftungsgründers Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907-1967) nach eigenen Angaben im Gespräch mit einem renommierten Historiker. Er soll eine Quellensichtung und -recherche vornehmen, berichtete Stiftungssprecherin Barbara Wolf auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Den Namen des Wissenschaftlers verriet sie noch nicht. Stiftungschefin Ursula Gather hatte das Projekt Ende Oktober angekündigt. Darin soll es vor allem um Alfried Krupps Verhältnis zum Nationalsozialismus gehen.

Der letzte Alleininhaber der Firma Krupp war 1948 in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen unter anderem wegen Verbrechen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit zu zwölf Jahren Haft und zur Einziehung seines Vermögens verurteilt worden. Nach zweieinhalb Jahren wurde er begnadigt. Die Beschlagnahme des Vermögens wurde aufgehoben.

„Er hat ohne Zweifel Schuld auf sich geladen, über die keineswegs schon alles gesagt und geschrieben ist und mit der unsere Stiftung sich weiter zu befassen hat“, hatte Gather gesagt. In der Nachkriegszeit sei dies „eindeutig unzulänglich“ geschehen.

Bei der jetzt geplanten Quellensichtung soll der Historiker laut Wolf zusammen mit einer wissenschaftlichen Hilfskraft den Fokus auf bisher unbekannte oder wenig beachtete Quellen legen. Dafür soll auch Material gesichtet werden, das etwa im Bundesarchiv oder in ausländischen Archiven lagere. Für die erste Phase sind neun Monate veranschlagt. Danach will die Stiftung entscheiden, ob die Aufarbeitung in eine Biografie mündet.

Es gebe bis heute keine umfassende, wissenschaftliche Biografie des Stifters, so Wolf weiter. Ein Auftrag der Stiftung an den Historiker Golo Mann (1909-1994) in den 1970er-Jahren habe nur zu einem unveröffentlichten Teil-Manuskript geführt. „Wir sehen es als unsere Verantwortung an, uns im Sinne gegenwärtiger historischer Fragestellungen erneut mit der Biografie unseres Stifters zu befassen und haben daher ein unabhängiges, wissenschaftliches Projekt auf den Weg gebracht“, teilte Gather der dpa mit.

© dpa-infocom, dpa:211224-99-496203/2

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