NRW

„Behandelt wie einen Schuljungen“: Essener Wut auf den DFB

Fußball

Donnerstag, 4. März 2021 - 13:04 Uhr

von Von Holger Schmidt, dpa

dpa/lnw Essen. Den historischen Halbfinal-Einzug als erst zweiter Viertligist hat Rot-Weiss Essen verpasst. Die Umstände beim nur auf den ersten Blick klaren 0:3 gegen Holstein Kiel waren sehr bitter.

Essens Dennis Grote und Kiels Finn Porath (l-r.) im Duell um den Ball. Foto: Martin Meissner/AP POOL/dpa

Den Eindruck, schlechte Verlierer zu sein, wollte Marcus Uhlig gar nicht erst erwecken. Deshalb baute der Vorstandschef von Rot-Weiss Essen in seine wütende Abrechnung mit dem DFB immer wieder ein Lob für den Gegner ein. Das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, überlagerte an diesem Pokal-Abend für die Vereinschronik aber alles. Sogar den Stolz über das bis dahin Erreichte.

„Das ist der klarste Nicht-Elfmeter aller Zeiten“, schimpfte Uhlig nach dem 0:3 (0:2) gegen den Zweitligisten Holstein Kiel über die Szene in der 26. Minute. Eine mögliche Strafe für seine Aussagen - schon zur Pause hatte er im Sky-Interview von einem „Riesen-Skandal“ gesprochen - fürchtet der 50-Jährige nicht. „Ich habe niemanden beleidigt“, sagte er: „Und selbst wenn, ist es mir egal. Denn das ist einfach schlecht vom DFB. Und darüber muss man mal sprechen.“

Kiels Finn Porath hatte schon fast auf dem Boden gelegen, als Dennis Grote ihn berührte. Schiedsrichter Markus Schmidt entschied dennoch auf Elfmeter, schaute sich die Szene nicht mehr an und das Unheil nahm seinen Lauf. „Wir kriegen hier wochenlang Belehrungen vom DFB“, sagte Uhlig: „Es kostet 20 000 Euro und mehr, die Technik nur für dieses Spiel aufzubauen. Und wofür? Dafür, dass die da schlafen in der Kabine?“ Als er zur Pause das Gespräch mit dem Vierten Offiziellen suchte, sei er „von oben herab arrogant abgekanzelt werden“, sagte der RWE-Boss: „Sie behandeln dich wie einen Schuljungen. Du denkst, du bist der kleine Junge aus der vierten Liga.“

Nun hatten die Essener mit 0:3 verloren und nicht mit 0:1. „Aber wenn das erste Tor nicht fällt, fällt das zweite auch nicht“, sagten sowohl Uhlig als auch Trainer Christian Neidhart mit Blick auf die Tatsache, dass ihr geschocktes Team 113 Sekunden danach das 0:2 kassierte. Und das 0:3 durch einen Konter in der 90. Minute. 14:6 Torschüsse waren zudem der Beleg dafür, dass der Außenseiter dem Aufstiegsaspiranten für die Bundesliga einen ganz harten Kampf geliefert hatte.

Selbst Kiels Routinier Fin Bartels erklärte nach Ansicht der TV-Bilder, dass sein Team beim Elfmeter „Glück gehabt“ habe. Kurios war, dass sich kein Essener während der Szene sichtbar beschwert hatte, was Schmidt vielleicht zur Ansicht der Bilder hätte bewegen können. „Wenn wir uns aufgeregt hätten, hätte das nichts gebracht außer einem Platz auf der Tribüne“, sagte Neidhart. Und Grote, der 2009 an der Seite von Manuel Neuer oder Mesut Özil U21-Europameister geworden war, sagte: „Ich habe kurz mit ihm gesprochen. Aber da hat er gesagt, dass das für ihn klar ist und mir sofort Gelb gegeben.“

Die Enttäuschung muss RWE nun schnell abschütteln. „Wir müssen alles für unser großes Ziel reinlegen“, mahnte Neidhardt mit Blick auf den Kampf um den Aufstieg in die 3. Liga. Derzeit ist Essen mit drei Punkten Rückstand auf die U23 von Borussia Dortmund bei einem Spiel Rückstand Zweiter der Regionalliga West. Im März und April stehen nun je sechs Partien auf dem Programm, unter anderem das Top-Spiel gegen den BVB. Und sollte der Aufstieg am Ende gelingen, würde wohl im Rückblick auch das Pokal-Märchen ausnahmslos positive Gefühle bescheren.

© dpa-infocom, dpa:210304-99-686355/2

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