NRW

Betroffene fühlen sich von Woelki unter Druck gesetzt

Kirche

Mittwoch, 18. November 2020 - 19:01 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln. Im Streit um den Umgang mit einem Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln fühlen sich ehemalige Sprecher des Betroffenenbeirats von Kardinal Rainer Maria Woelki unter Druck gesetzt. Die zurückgetretenen Sprecher Patrick Bauer und Karl Haucke warfen dem Erzbischof in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag) einen „erneuten Missbrauch von Missbrauchsopfern“ vor. „Wir wurden völlig überrannt“, sagte Bauer zu Woelkis Entscheidung, ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl nicht zu veröffentlichen. Woelki hatte sich dazu die Zustimmung des Betroffenenbeirats geholt.

Ende Oktober hätten ihm drei Juristen überraschend erklärt, dass das Gutachten aufgrund methodischer Mängel nicht veröffentlicht werden könne, sagte Bauer. Stattdessen müsse ein neues Gutachten erstellt werden. „Das war für mich wie der Moment, als ich damals von meiner Krebserkrankung erfahren habe. Und der Arzt sagte mir: Es gibt nur diese eine Therapie und diesen Weg müssen Sie gehen. Oder Sie sterben. Ich hatte keine Entscheidungsmöglichkeit.“ Im Nachhinein habe er aber Zweifel an der Darstellung des Erzbistums. Er habe den Eindruck, dass die Entscheidung schon lange vorher festgestanden habe.

Bis heute kennen weder Bauer noch Haucke den Inhalt des Münchner Gutachtens. „Die Erkenntnisse müssen toxisch sein aus der Sicht des Erzbistums“, sagte Haucke. Sonst würde sich das Bistum nicht derart der Kritik der Öffentlichkeit aussetzen. „Deshalb war ihnen auch unsere Unterstützung so wichtig. Wir sollten das Zertifikat liefern: vom Beirat abgesegnet.“ Haucke sieht sich erneut traumatisiert: „Es geht mir sehr schlecht. Das hat jemand mit mir angestellt, der mir vorher Zusammenarbeit auf Augenhöhe angeboten hat.“

Bauer und Haucke haben ihre Sprecherämter im Betroffenenbeirat inzwischen abgegeben und sind aus dem Gremium ausgetreten. Sie fordern eine Veröffentlichung des Gutachtens der Münchner Kanzlei.

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