NRW

Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz kritisiert Woelki

Kirche

Dienstag, 30. März 2021 - 13:32 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln. Der Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz hat kritisiert, dass der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki die systembedingten Ursachen des sexuellen Missbrauchs weiter ignoriere. Der Beirat reagierte am Dienstag auf die Vorstellung des Gutachtens, in dem der Strafrechtler Björn Gercke den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester untersucht hatte.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, spricht. Foto: Oliver Berg/dpa-Pool/dpa/Archivbild

„Kardinal Woelki hat die systemischen Ursachen in seinem Pressestatement zur Veröffentlichung des Gutachtens nochmals infrage gestellt, indem er ein weiteres Mal den Zusammenhang zwischen Missbrauchs-Aufarbeitung und den kirchenpolitischen Fragen relativiert bzw. abgelehnt hat“, kritisierte der Betroffenenbeirat. Das von Woelki in Auftrag gegebene Gercke-Gutachten konzentriere sich allein auf strafrechtliche Aspekte. „Die systemischen Ursachen wie Sexualmoral, Zölibat, Klerikalismus, Männerbündigkeit oder fehlende Partizipation von Frauen sind aber weitestgehend ausgeblendet oder werden gar nicht betrachtet.“ Es fehle damit die moralisch-ethische Ebene.

Das von Woelki ein Jahr lang zurückgehaltene Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl nehme diese Aspekte dagegen durchaus in den Blick. „Es benennt klar missbrauchsbegünstigende Aspekte und spricht deutliche Reform-Empfehlungen aus, die auf keinen Fall ungehört bleiben dürfen.“ Aus einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung gegenüber Reformen ein unliebsames Gutachten zurückzuhalten und auf diese Weise einen Wandlungsprozess zu bremsen, sei „grob fahrlässig“, kritisiert der Betroffenenbeirat.

Woelki selbst begründet die Zurückhaltung des Gutachtens mit rechtlichen Bedenken. Derzeit kann die Untersuchung von Interessierten im Tagungszentrum des Erzbistums eingesehen werden.

© dpa-infocom, dpa:210330-99-27387/2

Martha Reckert 30.03.202114:36 Uhr

Der sexuelle Missbrauch an Kindern darf unter keinen Umständen mehr gerade von der katholischen Kirche verharmlost werden . Wie konnten diese Verbrechen jahrelang mit Wissen der Bistumsverantwortlichen geschehen, ohne dass es zu einer Strafverfolgung gekommen ist. Denken die Verantwortlichen nicht darüber nach, welche seelischen Verletzungen sie den armen Kindern damit zugefügt haben?

Ich habe den Eindruck, daß es auch Kardinal Woelki hauptsächlich darum geht, seine "Weste rein zu halten" , also jegliche Kritik abzuschmettern. Ich bin sehr enttäuscht.

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