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NRW

Boni, Rentner, Seiteneinstieg: 3300 zusätzliche Lehrer

Schulen

Donnerstag, 23. Juli 2020 - 07:43 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa/lnw Düsseldorf. Gute Lehrer sind Mangelware, vor allem an Brennpunktschulen lassen sie sich nur schwer gewinnen. Seit kurzem aber winkt in NRW ein kleiner Bonus, der erste Wirkung zeige, berichtet die Schulministerin. Außerdem kehren erfahrene Pensionäre zurück.

Viertklässler einer Grundschule melden sich während des Unterrichts. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild

Seiteneinsteiger, reaktivierte Pensionäre, Gehaltsboni und weitere Hilfen haben in Nordrhein-Westfalen laut Schulministerium seit 2017 über 3300 zusätzliche Lehrer-Einstellungen ermöglicht. Allein 1058 Lehrkräfte arbeiteten inzwischen nach ihrem offiziellem Eintritt in den Ruhestand wieder im Schuldienst, teilte das Ministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Düsseldorf mit.

Im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 sei das ein Zuwachs von 415 auf 643 Pensionärslehrkräfte und somit mehr als eine Verdopplung. Zusätzlich seien derzeit noch 79 verbeamtete Lehrkräfte, die ihren Ruhestand hinausgeschoben hätten, weiterhin im Schuldienst.

Auch das neue Angebot, Lehrern auf schwer zu besetzenden Stellen einen Gehaltszuschlag zu gewähren, sei gut angelaufen. Seit Mai kann in NRW Lehrern, die eine Neuanstellung an einer lange Zeit erfolglos suchenden Schule annehmen, für zweieinhalb Jahre ein Bonus von 350 Euro brutto im Monat gezahlt werden. Innerhalb von zweieinhalb Monaten habe dies bereits zu 52 Einstellungen an Schulen mit dringendem Personalbedarf geführt.

„Das neue Instrument, das erst seit drei Monaten eingesetzt wird, beginnt zu wirken“, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) der dpa. „Wir gehen davon aus, dass - wie bei allen anderen Maßnahmen - auch dieses Instrument noch bekannter und somit von vielen Schulen noch erfolgreicher angewendet wird.“ Das Programm soll vor allem eine Entscheidung zugunsten der unattraktiveren Schulstandorte, Brennpunktschulen und Mangelfächer versüßen.

Darüber hinaus habe mehr Flexibilität beim schulform- und laufbahnübergreifenden Einsatz der Lehrkräfte seit Beginn der Wahlperiode vor drei Jahren über 1700 zusätzliche Einstellungen ermöglicht. Darunter seien 556 eigentlich für die Sekundarstufe II ausgebildete Lehrkräfte, die mit der Garantie an eine Grundschule gegangen seien, nach zwei Jahren eine ihrer Qualifikation entsprechende Stelle antreten zu können.

Laut Prognose der Kultusministerkonferenz wird der hohe Bedarf an Grundschullehrern in NRW bis 2021 auf einen Spitzenwert steigen und danach bis zum Jahr 2028 kontinuierlich sinken. Die Studienplätze im pädagogischen Bereich sind in NRW bereits deutlich aufgestockt worden, um die Nachfrage zu decken. Laut amtlicher Statistik unterrichteten im abgelaufenen Schuljahr an fast 2800 Grundschulen in NRW über 50 000 Lehrkräfte, davon viele in Teilzeit. Nach Angaben des Schulministeriums konnten allein für die Grundschulen seit Sommer 2017 insgesamt 823 Seiteneinsteiger gewonnen werden.

„Dank der Maßnahmen, die diese Landesregierung ergriffen hat, konnten wir bereits mehr als 3 000 Lehrerstellen besetzen, die ansonsten unbesetzt geblieben wären“, bilanzierte Gebauer. Dies habe viele Unterrichtsstunden gesichert.

„Es zahlt sich aus, dass wir an vielen sowohl kleinen als auch großen Stellschrauben drehen, um zusätzliches Personal zu gewinnen.“ Neben der schnellen Hilfe für die vom Lehrermangel besonders betroffenen Schulen und der Entlastung der Kollegien arbeite die Regierung intensiv daran, „langfristig die Lehrerversorgung wieder ins Gleichgewicht zu bringen“.

Der Koalitionsvertrag von CDU und FDP gibt „eine 105-prozentige Lehrerversorgung“ als mittelfristiges Ziel vor. Laut Bedarfsprognose fehlen in den nächsten zehn Jahren aber rund 15 000 Lehrer in NRW.

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